De Pastorale (2009/02)
Geschrieben von daniela am 27. Februar 2009 | Abgelegt unter belgien[essen+trinken], essen+trinken[auswärts]
Nachdem wir unseren geplanten Wochenendtermin (Bouillabaisse-Kochkurs in der Kochschule Mönchenwerth mit Guy de Vries) leider auf den Herbst verschieben mussten, haben wir uns am Mittwoch spontan dazu entschieden, das Wochenende anderwertig kulinarisch zu verbringen. Schließlich haben wir jetzt schon 2 Wochenenden zu Hause genossen, da wird unsereiner schon wieder leicht unruhig … :)
Sylt wäre längst wieder einmal fällig, aber eigentlich wollten wir nicht mehr als 2 Stunden Anfahrt in Kauf nehmen. Also fiel die Wahl auf ein 2* Restaurant in Belgien, in der Nähe von Antwerpen: De Pastorale in Rumst-Reet.
Samstag Vormittag ging es ganz entspannt Richtung Antwerpen los. 4 Stunden sind wir gemütlich durch die Stadt spaziert und haben dabei auch ein paar praktische Küchenutensilien bei Dille & Kamille erstanden. Natürlich durften für Thomas die berühmten belgischen Pralinen als Mitbringsel nicht fehlen – dieses Mal vom berühmten Pralinenhersteller Burie und für mich gab’s Kekse und Spekulatius von Philip’s Biscuits.
Gegen 17 Uhr machten wir uns dann auf den Weg in unser Hotel. Auf Empfehlung des Restaurants hin, haben wir das Hotel Domus in Boom gebucht. Das Hotel war früher einmal eine Abtei und wurde vor ca. 1 Jahr von einem jungen Pärchen zu einem Hotel umgebaut. Mit seiner Ziegelaußenfassade hat es auf jeden Fall viel Charme und auch innen kommt die Kombination von weiß und grün mit viel dunklem Holz gut an. Man merkt, dass sich die Besitzer viel Mühe bei der Einrichtung gegeben haben, allerdings ist es bei näherer Besichtigung schon sehr offensichtlich, dass nicht überall mit Qualitäts-Materialien gearbeitet wurde und an vielen Ecken auch gespart wurde.
Capuccino (übrigens von Nespresso!) gab’s zum Frühstück ohne Aufpreis – ist ja nicht überall selbstverständlich – in der Teekanne hing dann leider “nur” ein einfacher Teebeutel. Sehr nett war die Begrüßung mit einem Schälchen frisch geschnittenem Obst und einem frisch gepressten Orangensaft. Auch ein weiches Ei wurde uns angeboten, allerdings folgte mit dem “Aufschnitt”-Teller schnell Ernüchterung: 2 Blatt Schinken und 2 Blatt Käse – ein dermaßen abgezähltes Frühstück haben wir noch nie serviert bekommen. Kompletiert wurde das Frühstück mit einem winzigen Stück Butter, 3 abgepackten Marmeladen, 1 abgepackten Nutella und einem Brotkorb, der ganz ok war. Alles in allem spiegelte sich der erste Gesamteindruck wider: sehr bemüht, aber noch weit entfernt von gut.
Abends ging es dann endlich zum eigentlichen Ziel unserer Reise, zum Restaurant De Pastorale.
Irgendwo im Nichts, erstrahlt plötzlich ein wunderschönes weißes Haus, sanft beleuchtet und man bleibt trotz der Kälte ein paar Minuten draußen stehen, um den Anblick zu genießen.
Die Begrüßung ist nett, leider geht es in der nächsten Stunde nicht ganz so glücklich weiter. 2 Blätterteigstangen mit einer Gemüse-Rouille-Sauce standen relativ rasch am Tisch. Nach 10 Minuten kam auch schon das erste amuse-bouche, ein kleiner Ziegenkäse mit karamellisiertem Mandarinensaft. Kurz danach ein mit Masala gewürztes Hühnerbrüsthäppchen mit Cous-Cous (das uns fälschlicherweise mit Taboulé präsentiert wurde). Beides ok, aber nicht berauschend.
Es dauerte allerdings fast 15 Minuten, bis wir nach dem Aperitif gefragt wurden und weitere 15 Minuten, bis wir ihn bekamen. Mit dem Bringen der Speisekarte ließ man sich 30 Minuten Zeit, weitere 20 Minuten, um unsere Bestellung aufzunehmen. So lange – also ungefährt 45 Minunten – hat es auch gedauert, bis wir unser Wasser bekamen … Sorry, aber diese Wartezeiten sind völlig inakzeptabel! Man kann einen Gast in so einem Restaurant nicht eine halbe Stunde ohne Getränke sitzen lassen.
Zum Glück ging es danach um einiges besser weiter und auch wenn sich der Service sichtlich schwer mit der englischen Präsentation des Essens tat, er war in Folge sehr bemüht und aufmerksam. Besonders hervorzuheben ist die wunderbare Rotweinempfehlung des 2. Sommeliers – ein sehr guter Tropfen, zu einem unschlagbar gutem Preis. Waren die amuse-bouche noch eher so lala, so ging es mit dem 6-gängigen “Sensations” Menü exzellent weiter! Der belgische Koch versteht es, mit den verschiedenen Aromen zu spielen, und alles, was auf dem Teller liegt, hat seinen Sinn, und ist nicht nur zu Dekorationszwecken auf dem Teller gelandet.
Sensations Menü
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Krabbe
junger Fenchel,
Basilikum, grüne Papaya,
Sternanis, Crunch.
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Langustine
gebraten, Schweinebacke,
Kichererbsen, Vadouvan Gewürze,
Bouillon, roter Pepperoni.
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Steinbutt
gebraten, Rosmarin,
Sand-Karotten*, Strukturen,
Zwiebel, Knoblauch.
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Taube
Waldtaube, gebraten,
Rote Beete, schwarze Rosinen, Balsamico,
gesalzene Erdnüsse, Creme.
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Kalb
Kalbsbrust, konfiert,
Kalbsbries, Kardamom,
grüne Oliven, Artischocke.
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Dessert
süße Willkür,
Überraschungsensemble.
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Der Fenchel passte wunderbar zu dem saftigen und köstlichen Krabbenfleisch. Das Kichererbsenpüree und die Bouillon waren geschmacklich top! Der Steinbutt war wunderbar weich und aromatisch, wurde fast von etwas so banalem wie dem Knoblauch in den Schatten gestellt. Der Taubengang konnte nicht ganz mit den Fischgerichten mithalten, dasselbe trifft auf das Kalb zu. Nichtsdestotrotz waren sie gut zu genießen.
Thomas hat vor dem Dessert, das übrigens eine Schokoladekomposition war, noch einen Käseteller eingeschoben. Der war soweit eigentlich ganz ok, wenngleich wir uns hier im Nachbarland Frankreichs, der Käsenation, die “Vorfahrt” eines schönen Käsewagens gewünscht hätten. Sehr schön hingegen fanden wir den Teller mit 4 verschiedenen Gebäckarten, der passend zu jedem Käse gereicht wurde. Eine nette Idee!
Den Abschluss bildeten noch ein paar Petits Fours, die geschmacklich ok, aber keine Highlights waren.
Nach dem Menü waren wir natürlich satt, keine Frage, aber positiv zu bemerken wäre noch, dass die Portionsgrößen wirklich sehr angemessen waren, weder zu klein, aber auch nicht zu riesig und dass das Essen auch wunderbar leicht geschmeckt hat.
Alles in allem war es letztendlich ein sehr gelungener Abend, mit einer sehr netten Atmosphäre und einem sehr guten Essen. Bei den Anlaufschwierigkeiten zu Beginn wollen wir noch einmal ein Auge zudrücken, da der restliche Abend wirklich gut verlaufen ist und wir einfach davon ausgehen, dass dies nicht Standard ist. Zumal uns die Dame des Hauses nach draußen begleitet und unsere Taxirechnung für den Heimweg beglichen hat. Diese Geste fanden wir sehr aufmerksam.
* the sand carrot, carotte de sable = wird ungewaschen und nur vom gröbsten Schmutz gesäubert, verkauft
[Bewertung 2009 > Guide Michelin: 2 Sterne]
5 Kommentare »


am 28. Februar 2009 um 01:15 1.Thomas schrieb …
Sehr schön gemacht ist das neue Weblog!
am 2. März 2009 um 15:36 2.Melanie schrieb …
wow, toller Bericht!
macht weiter so!
ich freue mich schon mehr von euch zu lesen, so kann ich auch wieder etwas besser an eurem Leben teilhaben
Alles Liebe!
Meli
am 19. März 2009 um 00:31 3.Christian schrieb …
Essen, essen,
nicht vergessen !
Wenn ihr so weiter macht gibt es bald ein Weber -Ranking a la Gault Millau. Nur noch besser für mich, weil ich euch direkt fragen kann ….
ciao
Christian
am 19. März 2009 um 08:44 4.daniela schrieb …
@Christian: persönlicher Support wird für Freunde gern geleistet :)
am 19. März 2009 um 12:47 5.Thomas schrieb …
Christian,
also das Ranking gibt es ja bereits, findet sich unter unserer Homepage http://www.weber-reisen.eu/3.html
Wir arbeiten aber noch an einer Ausgabe in Buchform. Alledings muss ich da noch oft essen gehen :-)
Thomas