La Société (2009/03)
Geschrieben von daniela am 15. März 2009 | Abgelegt unter deutschland[essen+trinken], essen+trinken[auswärts]
Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr ein Lokal betritt, und sofort wisst: Ja, das wird ein toller Abend!
Man spürt die warme und lebhafte Stimmung beim Eintreten, man wird herzlich und kein bisschen steif begrüßt und meint, man wäre bei Freunden zu Gast. Wenn dann auch noch das Essen, die Getränke und der Service bis zum Schluss auf hohem Niveau bleiben, beendet man den Abend mit demselben Gedanken wie zu Beginn, nur tauscht man das “wird” in ein “war” um: Ja, das war ein toller Abend!
All zu oft erlebt man so etwas nicht, aber letzten Samstag hatten wir dieses Glück, und zwar im La Société.
Das Lokal liegt in einem der quirligsten Kölschen Veedel, dem “Kwartier Latäng”, wie es auf der Homepage selbst beschrieben wird. Mario Kotaska und Dominic Jeske teilen sich dich Aufgabe des Küchenchefs. Ersterer ist einigen sicher übers Fernsehen, zB “Die Kochprofis” bekannt. Zwar war dies auch mit ein Grund für die Auswahl des Lokals, hat aber auf der anderen Seite auch zu etwas Zurückhaltung und Skepsis bei mir geführt. Ganz und gar unnötig, wie es sich herausstellte!
Nachdem wir uns im Kölner Musical Dom Monty Python’s Spamalot angesehen haben, ging’s endlich auf zum Abendessen.
Beim Eintreten waren wir gleich von der Einrichtung des Restaurants gefesselt, welche ganz und gar nicht den üblichen Vorstellungen eines 2-Hauben-Restaurants entspricht: Lichterketten entlang der Wände, orange Federgirlanden, braune Stühle und Tische im französischen Stil, alte Schilder als Wandschmuck – einfach gemütlich.
Begrüßt wurden wir mit einem Thunfisch-Sashimi und einem Käsecracker, sowie 5 verschiedenen selbstgebackenen Brotsorten mit Butter, Kräuteraufstrich und feinem sizilianischem Olivenöl.
Diesmal entschieden wir uns für eine Weinbegleitung zum Degustationsmenü und sollten es auch nicht bereuen. Stefan Helfrich, der Restaurantleiter, hat durchwegs gute Weine gewählt. Besonders gut gefallen hat uns die Frage nach Vorlieben bzw. nach Weinen, die wir gar nicht mögen. Eine nette Idee, dies nicht nur bei flaschenweisen Empfehlungen zu machen.
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Degustationsmenue
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Amuse-bouche
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Lauwarmes Kartoffeltörtchen
mit Ocietra Caviar und Zwiebelschmand
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Tira mi su und Schaum von der Gänseleber
mit Birne und Pumpernickelkrokant
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Tranche vom Steinbutt mit Meeresfrüchte-Pilaw
und Artischockentempura
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Fruchtiges Intermezzo
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Schottischer Lammrücken mit Kartoffelkruste gebacken
auf Flagolet-Böhnchen und Zwiebelcannelloni
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Zweierlei Ananas mit Mojito und gebackenem Nougatravioli
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Als Amuse-bouche kam ein Brettchen, gefüllt mit kleinen Häppchen lokaler Traditionsgerichten: halve Hahn (rheinischer Ausdruck für ein Roggenbrötchen mit Käse), Himmel un Ääd met Flöns (Spezialität aus Nordrhein-Westfalen: Kartoffelpüree = Erde, Apfelmus = Himmel, Blutwurst = Flöns; Premiere: das ist das erste Mal, das ich ein Gericht unprobiert retour geschickt habe …), Ähzezupp (Kölner Erbsensuppe) mit einem Stück geräuchertem Mettwürstchen sowie ein kleines Schlückchen Reissdorf Kölsch.
Der Zwiebelschmand zum Kartoffeltörtchen war ein Traum, unsere Aversion gegen die Kombination Gänseleber-Schokolade wurde im 2. Gang durch ein kleines Stück gebratener Gänseleber mit Wachtelei besänftigt. Vom Meeresfrüchte-Pilaw konnte man nicht genug bekommen und wäre der Steinbutt nicht eindeutig zu viel gesalzen gewesen, wäre dies ein perfekter Gang gewesen. Als fruchtiges Intermezzo gab es ein Gewürzorangen-Ingwer-Mouse, das mit Worten nicht zu beschreiben ist – ein Gedicht! Wunderbar auf den Punkt das Lamm im Hauptgericht, zart und geschmackig, die Zwiebelcannelloni eine nette Idee, das Pürree (von Flagolet-Böhnchen?) als Zugabe leider wieder eindeutig zu viel gesalzen.
Für Thomas war der flüssige Nougatinhalt der gebackenen Ravioli im Dessert ein Highlight, für mich natürlich der fruchtige Teil. Ein würdiger Abschluss!
Wäre da nicht Thomas’ Blick beim Hereinkommen schon auf die doch sehr gut ausgestattete Käsetheke gefallen … :)
Ein Kompliment: toll ausgereifte Käse und eine schöne Auswahl an verschiedenenen Sorten. Besonders gut fanden wir den von Hand hergestellten Epoisses sowie die harte Variante des Vacherins.
Den ganzen Abend über wurden wir aufmerksam und freundlich bedient, Stefan Helfrich nahm sich immer wieder Zeit um mit den Gästen auch ein paar Worte zu wechseln, erzählte dabei auch Anekdoten aus seinem Leben, was dem Ganzen natürlich einen wunderbar persönlichen Charakter gibt. Auch der Küchenchef Dominic Jeske lies sich nach Mitternacht im Restaurant blicken und wirkte dabei gar nicht wie jemand, der sein Pflichterscheinen hinter sich bringen möchte. Im Gegenteil, hätte das Taxi nicht bereits einige Minuten auf uns gewartet, hätten wir sicher noch länger ein interessantes Gespräch geführt.
Noch ein Wort zur Küche: Beim Blick in die Küche war ich für ein paar Sekunden sprachlos (was ja selten genug vorkommt :). So eine kleine Küche habe ich schon lange nicht mehr gesehen, geschweige denn überhaupt jemals in einem Restaurant dieser Klasse. Einfach unglaublich auf welch engem Raum die Köche hier so wunderbare Gerichte zaubern. Meine Bewunderung!
Und hier noch eine paar Fotos, die wir mit der kurz vorher neu erstandenen Canon Digital IXUS 100 IS geschossen haben.
[Bewertung 2009 > Gault Millau: 2 Hauben]
6 Kommentare »














am 17. März 2009 um 09:16 1.Melanie schrieb …
Danke für den tollen Bericht! ;-)
Schade, dass der Mario Kotaska an eurem Abend nicht da war.
Den finde ich bei den Kochprofis auch immer sehr sympathisch!
wie war das Musical?
Grüße aus Wien,
Meli
am 17. März 2009 um 12:59 2.daniela schrieb …
Ja, das fanden wir auch schade. Aber wir waren sicher nicht das letzte Mal dort. :)
Spamalot war ziemlich witzig, total schräger Humor. Aber für mich einfach kein Musical in dem Sinne.
am 19. März 2009 um 07:05 3.sonschkerl schrieb …
wow lecker schaut das aus…….. menno, da soll man keinen hunger beim anschauen bekommen……
*neidischbin* how ever
am 19. März 2009 um 08:36 4.daniela schrieb …
Also der Hunger lässt sich da wirklich nicht vermeiden. :)
Da würde es dir auch gefallen – die Kölner haben ‘ne ziemliche “Schnauze”.
am 27. August 2010 um 21:33 5.l'art de vivre » La Société (2010/01) schrieb …
[...] sind wir letztendlich im La Scoiété, wo wir schon im Jahr zuvor einen sehr netten Abend verbracht haben. Gleich zu Beginn fiel mir auf, dass die orangefarbenen Federboas, die mich damals so [...]
am 27. August 2010 um 22:22 6.l'art de vivre » Restaurant Gut Lärchenhof (2009/08) schrieb …
[...] unbekannt. Ihm gehört auch das La Societé in Köln, wo Mario Kotaska kocht und wo wir ebenfalls schon einmal einen wunderbaren Abend genossen haben. Und wer gerne ein wenig über die “Schönen & [...]