Himmelstoß (2009/04)
Geschrieben von daniela am 12. April 2009 | Abgelegt unter deutschland[essen+trinken], essen+trinken[auswärts]
Auf Fusionsküche in den verschiedensten Formen trifft man heutzutage oft. Sehr beliebt ist die euro-asiatische Küche. Nicht immer gelingt der Versuch, diese zwei Welten auf kulinarischer Ebene zusammenzuführen.
Ein positives Beispiel auf diesem Gebiet ist das Restaurant Himmelstoß in Dettelbach. Koch Herbert Kuffer hat sich schon vor Jahren auf die euro-afrikanische Küche spezialisiert. Gault Millau bewertet sein Bemühen mit 2 Hauben. Es gibt nicht viele Restaurants mit außergewöhnlicher Küche, die eine so eine hohe Bewertung haben. So ein Geschmackserlebnis können wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Dettelbach ist ein sehr nettes, kleines Städtchen am Main, in der Nähe von Würzburg.
Etwas verschlafen wirkt es, aber in der wärmeren Jahreszeit gibt es hier sicher viele Besucher, die Rad- oder Wandertouren in der schönen Gegend unternehmen, die Winzer besuchen oder sich die vielen Sehenswürdigkeiten ansehen, die sich in der Nähe befinden.
Die Zimmer in der Alten Schmiede sind wirklich sehr nett und liebevoll eingerichtet. Man merkt, dass alles neu ist, alte und muffige Zimmer sucht man hier vergeblich. Wie die freundlichen Besitzer uns erzählen, wurde das Gebäude erst vor 5 Jahren wieder aufgebaut, mit denkmal-geschützten Auflagen versteht sich. Aber das macht den Charme des ganzen Ortes erst richtig aus.
Am Abend machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Restaurant Himmelstoß . Keine 150 m müssen wir gehen – da braucht nicht ‘mal Thomas ein Taxi. :)
Das Lokal ist sehr gemütlich eingerichtet, Stil und Ambiente passen perfekt zur Gegend.
Schon beim Lesen der Speisekarte sind wir ganz verblüfft. So viel afrikanischen Einfluss hätten wir nicht erwartet. Es findet sich kaum ein Gericht, dass uns nicht mit einer ungewöhnlichen Kombination überrascht.
Wir entscheiden uns schließlich für ein 4gängiges afrikanisches Menü:
*****
Rahmsuppe vom Sellerie mit Milchkaffee-Schaum,
in Chili-Popcorn gebackene Jakobsmuschel
und afrikanisches Chapati Fackelbrot
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Mit Tahini gratiniertes Kingklip-Filet mit Espresso-Barbecuesauce
auf kenianischen Moniokgemüse in Kokosrahm
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Kaninchen-Thunfischroulade mit Bärlauch-Zimt-Morogo,
exotische Currysauce und Süßkartoffelpüree
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Passionsfruch-Quark-Terrine mit Kakao-Pimentsorbet,
Basilikum-Vanilleöl und Gazellenhörnchen
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Schon alleine die Butter-/Aufstrichvariationen verheißen eine wirkliche Geschmacksexplosion. Die geschmacksarmen Butterstücke, die sehr oft serviert werden, können nicht mithalten mit der Orangen-Pfeffer-Butter, die ein wenig nach Curry schmeckte, dem kenianischen sehr würzigen Tomatenaufstrich, dem grüne Griebenschmalz und der Thunfischcreme, mit einem ausgeprägtem geräucherten Geschmack.
Auch der Gruß der Küche überzeugt, Thomas mag die Süßkartoffeltarte besonders gerne, mein Lieblingsstück ist das Fischbällchen.
Die Selleriecremesuppe ist ein Traum, das afrikanische Chapati Fackelbrot wurde sehr ansehlich um einen Holzstab gewickelt und vor allem die Jakobsmuschel mit der Chili-Popcorn Ummantelung überrascht positiv. Gerade bei Meeresfrüchten bin ich eher jemand, der nicht viel Gewürze und Schnick-Schnack braucht, sondern sie im Allgemeinen am Liebsten nur mit ein wenig Salz und Pfeffer genießt. Aber diese Kombination überzeugt mich, werde ich bei Gelegenheit einmal versuchen nachzukochen.
Beim 3. Gang angekommen, sind wir fast schon ein wenig überfordert von den unterschiedlichen Geschmackserlebnissen. Von dem Bärlauch-Zimt-Morogo kann ich gar nicht genug bekommen und in das Süßkartoffelpüree mit der Currysauce könnten wir uns beide eingraben. Keine Ahnung wie man ein so geschmackvolles Süßkartoffelpüree hinbekommt … Das Kaninchenfleisch war sehr zart, im Gegensatz zu vielen trockenen Rouladen, die man oft serviert bekommt.
Da ich jemand bin, der im Allgemeinen nicht so sehr auf Schokolade abfährt, genausowenig wie auf schwere, süße Desserts, war die Passionsfruch-Quark-Terrine einfach perfekt für mich. Schön fruchtig und leicht, aber extrem geschmackvoll. Aber auch das Kakao-Pimentsorbet war sehr gut und nicht zu sehr mit Piment gewürzt. Das
Basilikum-Vanilleöl wollte ich immer schon einmal kosten, liebe ich doch sowohl Basilikum als auch Vanille. Der Geschmack ist zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig, passt aber hervorragend zu den frischen Erdbeeren mit Minze und Zitronenmelisse.
Alles in allem hat uns das Essen wirklich ausgezeichnet geschmeckt, Herbert Kuffer versteht es wirklich mit den Gewürzen umzugehen und es hat sehr viel Freude gemacht, die einzelnen Geschmacksnuancen herauszuschmecken. Man kann sich dem Satz, der auf der Speisekarte zu lesen war, nur anschließen: Essen ist eine Notwendigkeit, sich aufs Essen und Trinken zu verstehen, ist eine Kunst.
Wir haben lage überlelgt, ob wir diesen letzten Absatz schreiben sollen, oder nicht. Letztendlich ist ein gutes Essen zwar die Basis, aber auch der Service und der Wohlfühlfaktor tragen zu einem gelungenen Abendessen bei. Beim Service gab es auch nichts zu bemängeln, ganz im Gegenteil. Leider wurde die Atmosphäre im Lokal durch wiederholte Wutanfälle des Kochs aus der Kuche immer wieder gestört. Sorry Herr Kuffer, aber das geht so leider wirklich nicht. Ein Gast kommt um gut zu essen und um sich wohl zu fühlen. Er bezahlt dafür auch. Und da ist es wirklich mehr als unangenehm, wenn man immer wieder durch laute Schimpfanfälle ihrerseits im angeregten Gespräch oder beim Genießen ihrer Speisen gestört wird. Das verdirbt einenm wirklich den Appetit und das ist bei ihren Kochkünsten eigentlich eine Schande. Nicht nur wir, sondern wirklich alle Gäste im Raum fühlten sich wirklich sehr peinlich berührt. Es wäre schön, wenn man dieses Problem in den Griff bekommen könnte, dann würden wir auch sehr gerne wieder kommen!
[Bewertung 2009 > Gault Millau: 2 Hauben]
1 Kommentar »














am 14. April 2009 um 18:58 1.Würzburg Silverlight Travel » l’art de vivre » Himmelstoß schrieb …
[...] Dettelbach ist ein sehr nettes, kleines Städtchen am Main, in der Nähe von Würzburg. Mehr finden Sie unter weber-reisen.eu [...]