Le Poussin at Whitley Ridge (2009/05)

Geschrieben von daniela am 4. Juni 2009 | Abgelegt unter england[essen+trinken], essen+trinken[auswärts]

Während der 2. Station unserer Südengland-Reise hatten wir – unüblich für uns – eine Halbpension gebucht. Der Grund: Chefkoch Alex Aitken hat für das Restaurant Le Poussin 1 Michelin Stern erkocht.

So kamen wir in den Genuss, drei Abende hintereinander in einem der besten Restaurants Englands zu essen, das noch dazu wundervoll im Nationalpark New Forrest der Grafschaft Hampshire liegt. Der ganze Park rund um das Gebäude ist sehr idyllisch und die Einrichtung sehr geschmackvoll und stilvoll.

01 Hotel

Das Ambiente im Speisesaal ist etwas gediegen, einem kleinen Schloss würdig. Wenn man wie wir an einem Abend das Glück hat, im verglasten Erker zu sitzen, kann man während des Essens auf den wunderbaren parkähnlichen Garten des Whitley Ridge blicken.

Die Plätze waren an allen drei Abenden ausgefüllt, die Nähe zu London spielt hier natürlich neben dem wunderbaren Essen sicher mit eine Rolle.

Am 1. und 3. Abend haben wir ein 3-gängiges Menü gegessen, zwischendurch haben wir uns das Degustiationsmenü gegönnt.
Positiv zu erwähnen wäre, dass die Speisen, die für das 3-Gänge-Menü zur Auswahl standen – übrigens drei pro Gang – alle von der á-la-carte Karte stammten und in einer Art 2-Tages-Rhytmus mit teilweiser Änderung gewechselt werden. Man hat auch immer die Möglichkeit, Speisen aus der á-la-carte Karte zu wählen, die nicht in der Menüauswahl vorkommen.

Alex Aitken, der sich nebenbei erwähnt das Kochen selbst beigebracht hat, kocht mit wirklich feinen und lokalen Zutaten einen Mix aus britischem und französischem Stil. Die Jakobsmuscheln zur Vorspeise waren auf den Punkt ausgezeichnet zubereitet, und das Risotto mit einem pochierten Ei und einer genialen Trüffel-Madeira-Sauce wurde on top noch sehr ansehlich in einem Weckglas serviert.

11 Tomate und Speckkruste 12 Amuse Tag 3 13 Trüfellrisotto 14 Makrele

Perfekt der Hase, den Thomas am 1. Abend als Hauptgang gegessen hat und sehr geschmackvoll mein Seehecht, der mit einem Schinken umwickelt war. Die Desserts, zB eine Tarte Tatin waren zwar nicht sehr ausgefallen aber ausgesprochen gut und schön fanden wir, dass der Käseteller mit englischem Käse (top!) bestückt war. Auch ein gutes Stück Stilton gab’s auf Nachfrage zum Abschlusswein im Salon für Thomas.

02 Häppchen Tag 1 03 Taube 04 Rabbit 05 Tarte Tartin

Was uns nicht ganz so gut gefallen hat, war die Präsentation der Speisen. An sich waren sie natürlich geschmackvoll angerichtet, aber leider wirkte der Teller oft ein wenig überladen und zu viel nach Kunst, ein wenig so, wie es in der gehobenen Küche früher in Frankreich übrig war. Einfach nicht mehr zeitgemäß.

Das sollte sich aber beim Degustationsmenü zum Glück ändern!

Auch bei diesem Menü gab es wieder kurz gebratene Jakobsmuscheln (so schmecken sie mir einfach am besten), die fantastisch mundeten. Ein Traum der Kabeljau, der aus Südengland kam, und die Froschschenkeln. Besonders letzteres mag viele vielleicht abstoßen oder befremden, aber ihr solltet sie wirklich einmal kosten. Das weiße Fleisch ist, richtig zubereitet, wunderbar weich und einfach nur köstlich. Nur schade, dass da immer so wenig d’ran ist. :)

06 Scallop 07 Cod and Frog

Die Wachteleiravioli sind auf jeden Fall auch eine Erwähnung wert, genauso wie das Passionsfruchtsoufflé, das am Tisch angestochen und mit einer köstlich heißen Passionsfruchtsauce begossen wurde. Herrlich!

08 Ravioli 10 Passionsfruchtsouffle

Bei der Weinbegleitung stach ein Weißwein aus Uruguay besonders heraus, so dass wir uns am nächsten Abend gleich eine Flasche bestellten. Es handelt sich um Preludio 2007 vom Weingut Juanico, das seit 1979 von der Familia Deicas geführt wird. Der Weißwein besteht auch 90% Chardonnay und 10% Viognier und lag 11 Monate im Eichenfass. Er schmeckt sehr rund, das Holz ist zwar deutlich erkennbar, wurde aber sehr weich in den Wein eingebunden, so dass Noten von Honig, Vanille und Butter zu erkennen waren. Eine schöne Entdeckung!

Alles in allem haben wir uns sehr wohl gefühlt, das Essen sehr genossen und auch der Service war sehr aufmerksam.
Leider nimmt es das Restaurant mit den “Sperrzeiten” etwas zu eng. In England ist es durchaus üblich, vorher den Aperitif (die Häppchen, die dazu serviert wurden, waren ein Traum!) und nach dem Essen den Tee / Kaffee mit den Petit Fours und den Digestif in einem seperaten Salon einzunehmen. Leider ist es uns jeden Abend passiert, dass wir sozusagen kurz nach 23 Uhr auf die sanfte Tour “rausgeschmissen” wurden, da dann alle Türen verriegelt und abgeschlossen wurden. Theoretisch hätte man natürlich auch noch sitzen bleiben können, schließlich haben wir in dem dazugehörigen Hotel übernachtet, aber irgendwie macht das nicht all zu viel Spaß, wenn nebenbei demonstrativ die Vorhänge zugezogen und Türen verschlossen werden. Da wir nach dem Essen gerne noch etwas länger bei einem Gläschen Wein oder Armagnace (hier übrigens sehr beliebt!) zusammengesessen wären, um uns über das Essen oder die Pläne für den nächsten Tag zu unterhalten, fanden wir diese Tatsache leider etwas traurig. Aber offensichtlich besteht der Bedarf bei anderen Gästen nicht wirklich.

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3 Kommentare zu “Le Poussin at Whitley Ridge (2009/05)”

  1. am 4. Juni 2009 um 20:53 1.Thomas schrieb …

    Ich bin ja nicht sicher, wer jemals auf die Idee kam, Fröschen eine eigene Gattung zu widmen.
    Ich jedenfalls habe sie der Einfachheit halber in die Gattung der Hühnervögel eingeordnet!
    Froschschenkel schmeckt nämlich genauso wie ein Stück Perlhuhn , für alle, die es noch nicht gekostet haben… :-)

  2. am 4. Juni 2009 um 21:02 2.Thomas schrieb …

    Achja, hätte fast vergessen, dass ich auch Kaninchen in die Gattung der Hühnervögel eingeordnet habe, die Gründe sind durchaus vergleichbar.

  3. am 12. November 2010 um 10:11 3.l'art de vivre » Südengland – 2. Teil (2009/05) schrieb …

    [...] das Essen im Le Poussin Restaurant at Whitley Ridge ist sehr empfehlenswert, wie ihr in unserem Bericht nachlesen [...]

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