Südengland – 3. Teil (2009/05)
Geschrieben von daniela am 13. Juni 2009 | Abgelegt unter england[reisen], reisen
Wenn wir anderen erzählt haben, wo uns nach Kent/Sussex und Hampshire die 3. Station unserer Südenglandreise hinführen würde bzw. hingeführt hat, dann fiel den meisten sofort als erstes der Name einer bekannten Schriftstellerin ein: Rosamunde Pilcher. Die meisten ihrer verfilmten Romane spielen in Cornwall, im Südwesten von Großbritannien. Erstaunlicherweise ist die Schriftstellerin in ihrem Heimatland gar nicht so bekannt und die Menschen in Cornwall waren richtiggehend erstaunt, als nach dem Anfangsboom Busse voller Pilcher-Fans über das Land hereinbrachen.
Pilcher-Fans waren wir nie, aber wir sind definitiv große Fans von der unglaublich schönen Küstenlandschaft Cornwall’s geworden.
Auf unserem Weg machen wir ca. bei der Hälfte einen Zwischenstopp in Lyme Regis, eine der vielen malerischen Küstenstädte Englands, gelegen in der Grafschaft Dorset. Lyme Regis gehört zu einem 150 km langen Küstenstreifen, der von der UNESCO aufgrund seiner außergewöhnlichen Geologie zum Weltnaturerbe gezählt wird. Da wir nicht viel Zeit haben, beschränken wir uns darauf, den wirklich netten Sandstrand entlang zu laufen und ein Pflichtprogramm zu absolvieren: Fish & Chips aus der Tüte, während wir die nackten Füße von einer Mauer hängen lassen und das Meer vor Augen haben. Selten hat etwas so Einfaches, so gut geschmeckt. :)
Schon bei der Parkplatzsuche bekommen wir einen Vorgeschmack auf die Straßenverhältnisse, die uns in Cornwall erwarten werden: eng & steil …
Je weiter wir uns dem Westen nähern, desto merklich schmäler werden die Straßen. Aber alles noch kein Problem, bis wir das Schild zum Talland Bay, an dem unsere nächste Unterkunft, das Talland Bay Hotel liegt, entdecken und abbiegen … Von hier weg, befahren wir eine einspurige Fahrbahn, die sehr kurvenreich und teilweise auch steil der Küste folgt.
Typisch für Cornwall, sind die Straßen links und rechts nahtlos von hohen Hecken mit wunderschönen gelben und rosa Blumen eingesäumt. Wunderschön anzusehen, keine Frage, mit das Schönste, was wir an Natur bis jetzt gesehen haben. Aber wenn eine Straße mit vielen Kurven schon nur einspurig ist, dann wäre es sehr hilfreich, wenn man etwas vorausschauender fahren könnte, um so bei einem entgegenkommenden Fahrzeug, an den ohnehin sehr spärlich vorhandenen Einbuchtungen (die eigentlich teilweise kaum der Rede wert sind, so winzig, wie die sind) anzuhalten. Das ist aber aufgrund der Hecken unmöglich … Nicht selten stehen sich also 2 Autos gegenüber und dann hat man 2 Möglichkeiten: 1. Man hat das Glück, dass sich gleich hinter einem Auto eine Hauseinfahrt oder Bucht befindet. Dann schiebt man zurück und je nach Breite dieser Bucht, beginnt ein mehr oder weniger langwieriges Hin- und Hergeschiebe in Millimeterarbeit und Zeitlupentempo, um aneinander vorbeizukommen. 2. Eine Hauseinfahrt / Bucht ist nicht in der Nähe, und einer muss sich erbarmen, den ganzen schmalen, kurvenreichen Weg bis zur nächsten Bucht zurückzuschieben. Dass man da jedes Mal einen hohen Adrenalinausstoß hat, weil das Ganze an sich schon nicht ohne ist, und man zusätzlich die ganze Zeit die Panik hat, dass ein Auto von hinten angefahren kommt, brauch ich ja wohl nicht zu erwähnen. Keine Ahnung wie oft wir diese oder ähnliche Strecken gefahren sind, aber ich konnte mich bis zum Schluss nicht wirklich daran gewöhnen und saß ziemlich angespannt am Beifahrersitz. Zum Glück hat das der Fahrer etwas entspannter als ich gesehen :) (Irgendwie kommt das auf dem Foto nicht ganz so schmal rüber …)
Endlich bei unserem abgelegenen Hotel auf der Anhöhe angekommen, spazieren wir geradewegs in den wunderbaren subtropischen Garten, mit hinreißendem Blick hinunter auf das Meer und die schroffe Felsküste. Durch die klimatischen Begünstigungen findet man hier immer wieder mediterrane Pflanzen, die dem Gebiet ihr typisches Aussehen verleihen. Der Garten ist groß und im typischen englischen Stil gepflanzt. Im Sommer kann man hier sogar in einem schönen Pool schwimmen, während man die Aussicht genießt. Für diese Jahreszeit war es dafür leider noch deutlich zu kühl.
Das Haus ist im typischen englischen Stil eingerichtet, mit vielen verwinkelten Gängen und Treppen. Im Gegensatz zu den letzten beiden Unterkünften haben wir hier endlich einmal ein Zimmer mit ganz viel Platz und auch das Bad ist richtig groß und sehr schön ausgestattet. Das Bett ist ziemlich breit, und man schläft herrlich auf diesen hohen Matratzen. Die Einrichtung ist typisch englisch, mit Streifentapeten aus Satin, einer geblümten Couch, schönen alten Stilmöbeln und passenden Bildern. Jeden 2. Tag wird eine große Flasche Wasser auf Kosten des Hauses aufs Zimmer gestellt. Etwas, was ich toll finde und immer wieder sehr schätze.
Das Hotel wird familiär geführt, was man zu jeder Zeit positiv zu spüren bekommt. Auch die Bedienung, ein zartes, dünnes Mädchen, hat immerzu ein freundliches Lächeln auf den Lippen und eine sehr positive Ausstrahlung.
Das Frühstück ist ganz ok. Wie hier oft üblich, werden einem die Butter und ein paar getoastete weiße und/oder braune Toastbrotscheiben an den Tisch gebracht. Marmelade, Honig, Joghurt, Müsli und Früchte gibt es am Buffet. Von einer Karte kann man sich dann zusätzlich Eier in allen möglichen Variationen bestellen, Schinken, Käse, Baked Beans with Ham oder sonstige Bestandteile des Traditionellen Englischen Frühstücks. Schade nur, dass es hier auch auf Nachfrage niemals frisch gepressten Orangensaft gab, obwohl er eindeutig so auf der Karte stand. Die englische Teetradition hat mir während der Reise den Kaffee ersetzt, aber Thomas ist ja bekanntlich kein großer Teefreund. Somit war es für ihn auch nicht toll, dass es hier nur Filter- oder Kannenkaffee gab und keine Chance auf einen Espresso oder Cappuccino bestand.
Dafür hat uns die Qualität beim Abendessen im Terrace Restaurant wirklich außerordentlich positiv überrascht. Mehr dazu gibt es demnächst in einem separaten Bericht zu lesen.
Da wir Samstag Mittag eine Tischreservierung bei Nathan Outlaw in Fowey hatten, wollten wir den Vormittag dazu nutzen, ein wenig durch die nette Hafenstadt zu schlendern. Anstatt 35 km durch das Landesinnere zu fahren, entschieden wir uns, nur die 12 km bis Bodinnick zu fahren und dann mit der Auto-Fähre überzusetzen.
Für die Leute dort ein alltägliches Transportmittel um Zeit zu sparen, genauso wie die Vaporettos in Venedig. Für uns allerdings ein – wenngleich sehr kurzes – Erlebnis. Die Fähre sieht für mich aus wie ein flaches Boot mit 3 Spuren, auf der jeweils 5 Autos nacheinander Platz finden. Zusätzlich können noch Fußgänger und Räder transportiert werden. Die ganze Beladung war in ein paar Minuten erledigt. Während der Überfahrt, die nicht einmal 5 Minuten dauert, wird von uns die unglaubliche (:)) Summe von umgerechnet knapp 3 Euro einkassiert und schon geht’s wieder runter von der Fähre, und man steht quasi schon im kleinen Hafenstädtchen Fowey, dessen Gässchen und Straßen sich steil bergauf und bergab an den Felsen schmiegen. Wirkliche Sehenswürdigkeiten gibt es hier nicht zu sehen, aber es macht einfach Spaß durch die schönen Gassen zu schlendern und dem lebhaften Treiben am Hafen sowie den Segelbooten am Meer zuzusehen.
Nach dem wirklich hervorragenden Essen bei Nathan Outlaw (klar, Bericht folgt!), steht spontan unsere Nachmittags- und Abendplanung auch fest: schnell noch ein paar Pastries (pikant gefüllte Blätterteigtaschen) für das Abendessen besorgen, deren Geruch uns schon die ganze Zeit verführerisch in die Nase gestiegen ist, und dann ab zum Weingut Camel Valley, dessen Champagner wir zum Aperitif beim Mittagessen verkostet haben.
Endlich ein englisches Weingut für Thomas! :)
Da wir knapp vor dem Schließen antanzen und sich der junge Winzer offensichtlich schon sehr auf sein Wochenende freut, wollen wir ihm diese Freude nicht nehmen und verkosten auf die Schnelle das ohnehin nicht all zu große Sortiment. Sprudel und Weißwein finden unser Wohlgefallen, der Rotwein eher nicht – aber das kann der Winzer wohl selbst auch ganz gut selbst einschätzen. Zusätzlich zu den Flaschen, die für zu Hause gedacht sind, nehmen wir eine gekühlte Flasche Weißwein mit und lassen den restlichen Abend im wunderschönen Garten des Talland Bay Hotels ausklingen.
In St. Ives, einem Künstler-Dorf im äußersten Süd-Westens Cornwalls, direkt am Atlantik, wollen wir den Sonntag verbringen, immerhin lautet die Wettervorhersage auf strahlenden Sonnenschein bei 25 Grad. Perfektes Wetter für das “Nizza des Nordens” mit seinen feinen weißen Sandstränden.
Es hätte ein schöner Tag werden können, wäre da bloß nicht diese hässliche gelbe Kralle an unserem linken Vorderrad bei unserer Rückkehr zum Wagen gewesen … :( Bis 14 Uhr ging der bezahlte Parkschein, um 14:05 fiel der Wagen wohl dem Parkwächter auf, um 14:25 schnappte das Schloss zu, 5 Minuten später waren wir dann beim Auto. Pech! Keine 5 Minuten nach unserem Anruf stand der gute Mann dann wieder vor unserem Wagen und nachdem er uns knapp 100 Euro ärmer gemacht hat, war dieses hässliche gelbe Ding endlich ab von unserem Auto. Ärgern lohnt sich nicht! Besser froh sein, dass der Wagen überhaupt noch da stand und wir nicht Thomas’ anfänglicher Idee gefolgt sind, noch länger dazubleiben, da es ja jetzt sowieso egal wäre. Denn nach 1 Stunde Überzeit droht der Abschleppwagen. Na das hätten wir gebraucht …
Auf Sonnenschein folgt Regen und so verbringen wir den letzten Tag bei eher mäßigem Wetter im Eden Project einer riesigen Gartenanlage, die 2001 eröffnet wurde. Herzstück sind die 2 miteinander verbundenen riesigen sphärischen Kuppeln, in denen Vegetationszonen simuliert werden: in der großen tropische und in der kleineren mediterrane Klimazonen. Immer wieder trifft man auf witzige Stationen und Hinweise, so dass es auch Kindern niemals langweilig wird. Eine witzige Idee sind die riesigen Außenfelder, auf denen Gemüse angebaut wird. Ein Mal im Jahr gibt es dann ein sogenanntes großes Mittagessen, wo alle eingeladen sind, Früchte unter Anleitung selbst zu ernten und vor Ort gemeinsam zu verspeisen. Meiner Meinung nach eine großartige Idee um alles rund um den Garten Kindern näher zu bringen.
Aber auch wir Erwachsene sind ganz fasziniert und so geht der letzte Tag schnell vorüber und uns erwartet morgen die Abfahrt zu unserer letzten Station.
2 Kommentare »



















am 5. Mai 2010 um 09:12 1.l'art de vivre » The Terrace Restaurant (2009/05) *** English version *** schrieb …
[...] on the homepage I was really surprised because some things look different than they had done during our visit. The rooms are now maritime, the bar looks like a bar and not like a mixture of living room and [...]
am 5. Mai 2010 um 09:13 2.l'art de vivre » The Terrace Restaurant (2009/05) schrieb …
[...] dieser verspäteten Berichte. Beim Blick auf die Homepage fiel mir gleich auf, dass sich seit unserem Besuch einiges in diesem Hotel getan hat. Etliche Zimmer versprühen jetzt maritimen Charme und die [...]