Les Deux Maisons (2009/07)
Geschrieben von daniela am 14. Juli 2009 | Abgelegt unter belgien[essen+trinken], essen+trinken[auswärts]
An und für sich war unser Brüssel Wochenende mit “EssGenuss-Terminen” schon voll gefüllt, aber zu einem bestimmten Vorschlag zum Mittagessen konnte ich einfach nicht nein sagen! :)
Wenn man regelmäßig ein paar Tage in der Woche beruflich im Ausland verbringt, fällt das gemütliche Abendessen in den eigenen 4 Wänden zwangsläufig oft aus. Es ist nach einem anstrengendend Tag dann sicher auch manchmal angenehm, wenn man das Essen das eine oder andere Mal in Ruhe alleine genießen kann. Aber es erfordert schon ein besonderes Ambiente und einen feinfühligen Service, um sich alleine in einem Restaurant wohl zu fühlen.
Als mir Thomas vor einiger Zeit eine SMS mit den Worten “Yes, jetzt hab ich’s gefunden!” geschrieben hat, wusste ich, dass ich mir diesbezüglich bei seinen Brüssel-Aufenthalten keine Sorgen mehr machen brauche. :)
Das Les Deux Maisons ist ein kleines, feines Restaurant, in dem man sich sofort wohl und heimelig fühlt, obwohl es durchaus sehr stilvoll und edel im üppigen mediterranen Stil eingerichtet ist. Bei schönem Wetter im kleinen Garten im Hinterhof zu sitzen, ist sicher wundervoll! Vom Service werden wir herzlich begrüßt und nett umsorgt, allerdings zu keiner Zeit aufdringlich. Positiv fällt hier auch auf, dass beide Servicefrauen ausgezeichnet Englisch sprechen (wollen), was hier auch nicht ganz selbstverständlich ist und dass man trotz stilvoller Einrichtung durchaus in einer Jeans und einem netten Oberteil gern gesehener Gast ist.
Kaum sitzen wir am Tisch, mit Blick in den schönen Garten, werden wir schon nach unseren Getränkewünschen gefragt, die auch innerhalb kürzerster Zeit serviert werden, zusammen mit ein wenig Gebäck, Butter und einem Gänseleberaufstrich. Toll, ich war begeistert. Ja, klar – so etwas sollte selbstverständlich sein, ist es aber sehr oft nicht. Und führt bei mir regelmäßig zu Ärger, denn ich bin der Meinung, dass sich spätere Wartezeiten leichter ertragen lassen, wenn man zumindest einmal ein Getränk und etwas zu knabbern hat.
Nach der Auswahl der Speisen, wurden wir mit einem sehr delikaten kleinen Hühnerschenkel in einer schmackhaften Sauce von der Küche begrüßt.
Thomas bekam zur Vorspeise wunderbar hauchdünn aufgeschnittenen frischen Bonito (eine Thunfischart) mit einer Aprikosenvinaigrette, Ingwerconfit und Bonitoflocken – eine sehr harmonische Kombination, die uns wirklich überzeugt hat. Ein wenig hat es mich an Nobu Matsuhisa‘s Kompositionen erinnert, der auch sehr gerne mit den getrockneten und geräucherten Bonitoflocken arbeitet und es meisterhaft versteht, süßliche Aromen mit rohem Fisch zu kombinieren.
Auch meine Dorade mit einem hart-gekochten Wachtelei und Basilikumöl war perfekt gebraten und hatte den wunderbaren Geschmack weißen, zarten Fischfleisches. Hervorheben möchte ich auch das méli-mélo d’herbs, wörtlich übersetzt Durcheinander von Kräutern, ein kleiner Kräutersalat mit feinstem Salz und bestem Olivenöl – mehr Würze brauchte man da nicht.
Der Glattbutt zählt nicht zu meinen Top-3-Fischen, aber auch hier gab es nichts auszusetzen. Die 2 Spargelstangen dazu waren leider so was von zerkocht, ganz anders als die kleinen Gemüsewürfelchen, die noch den perfekten Biss hatten, so wie ich das gerne habe. Wirklich begeistert hat uns dann jedoch Thomas’ Hauptgang: eine Seezunge, gefüllt mit einer Aal-Farce auf Schalottenkompott mit Lauch-Tagliatelle. Die Seezungen-Aal Kombination, werde ich beizeiten sicher einmal versuchen nachzukochen.
Zur Nachspeise teilten wir uns eine Tarte fine aux pommes, die zwar optisch nicht ganz an eine klassische Apfeltarte erinnert hat, aber deshalb mit dem wunderbaren Zimteis nicht weniger gut gemundet hat.
Zum Espresso, oder was man halt leider in unseren Breitengraden oft so nennt, wurden kleine Petit four gereicht und als Abschlussgruß der Küche kam noch eine kleine Crème Brûlée, der auch ich nicht widerstehen konnte.
Die à-la-carte-Preise sind teilweise sicher im höherpreisigen Segment angesiedelt, 35,- Euro finde ich für so ein 3-Gang-Menü allerdings wieder schwer in Ordnung. Bei den ersten zwei Gängen kann man zwischen drei verschiedenen Speisen wählen, beim Dessert steht neben Käse die ganze Dessertkarte zur Auswahl.
Die Weinbegleitung zu meinem Menü war ok und für die Mittagszeit völlig passend. Für zwei Weißweine eher mittelklassiger Natur sind 15,- Euro vielleicht aber ein klein wenig zu viel. Zumal Thomas, der à la carte gegessen hat, dieselben Weine außerhalb der Menübegleitung getrunken hat, und diese mit 10,- Euro verrechnet wurden … Andererseits muss man fairerweise dazu sagen, dass immer nachgeschenkt und hierfür kein Aufpreis verrechnet wurde. Es ist uns andernorts nicht nur einmal passiert, dass ohne zu fragen immer lustig das Glas aufgefüllt wurde und diese dann zum Weinbegleitungspreis glasweise dazugerechnet wurden. Natürlich kann / muss man sich selbst da in die Pflicht nehmen, denn man hätte sich ja erkundigen können / sollen, allerdings finde ich es bei Zusatzverrechnung angemessen, wenn vom Servicepersonal nachgefragt wird, ob man nachschenken darf.
Abends wird sicher naturgemäß mehr getrunken, meist auch schwerere Weine als zu Mittag. Laut Thomas bekommt er zum Abendmenü immer qualitativ sehr gute Weine. Auch hier wird ohne Aufpreis nachgeschenkt und dann sind die 15,- Euro wahrlich kein Wucher.
Der Service ist nahzu perfekt, stets zur Stelle und aufmerksam, aber ansonsten unsichtbar. Wir wissen jetzt, dass der Chef Pierre Demartin nicht nur Abends seine Runden im Speiseraum dreht, sondern auch zu Mittag. Ein sehr sympathischer, schüchtern wirkender Mann, oft typisch für so talentierte Köche.
Auf jeden Fall verstehe ich jetzt, warum sich Thomas dort so wohl fühlt und weiß ihn in guten Händen. :)
3 Kommentare »





am 2. September 2009 um 15:39 1.Melanie schrieb …
klingt wirklich sehr lecker!
am 6. Mai 2010 um 14:10 2.l'art de vivre » Les Deux Maisons (2010/03) schrieb …
[...] das Les Deux Maisons habe ich vor einiger Zeit bereits schon sehr ausführlich berichtet. Das muss ich hier nicht alles [...]
am 27. August 2010 um 22:57 3.l'art de vivre » Gourmetwochenende in Brüssel (2009/07) schrieb …
[...] zugegebenermaßen nicht wirklich überraschend :) – mehr als bloß die geplante Hauptspeise genossen haben, führte uns der Weg weiter zu Rob, ein Gourmet Shop von höchster Qualität. Die Ansammlung [...]