Uma (2009/07)
Geschrieben von daniela am 24. August 2009 | Abgelegt unter deutschland[essen+trinken], essen+trinken[auswärts]
Vor nicht all zu langer Zeit wäre Thomas bei der Vorstellung, Fisch und Meeresfrüchte essen zu “müssen”, schleunigst davon gelaufen. Zu meinem Glück hat sich das mittlerweile geändert und seit unserem ersten Besuch im Londoner Restaurant Nobu, kann er sich sogar für Sushi & Co begeistern – exzellente Qualität vorausgesetzt, natürlich. Aber darauf sollte man sowieso immer achten, vor allem bei Fisch und Meerestieren, und insbesondere, wenn sie roh verzehrt werden.
Schon bei einem unserer Berlin Besuche im letzten Jahr wollten wir Tim Raue’s Restaurant Uma besuchen, landeten dann aber durch eine Verwechslung in seinem gleich darauf anschließenden Restaurant Ma, wo er eine moderne, chinesische Küche auf allerhöchstem Niveau präsentiert. Wir bereuten es auf gar keinen Fall, an dem Abend in diesem Restaurant gegessen zu haben, wollten aber unbedingt auch einmal das Uma probieren, wo zeitgenössische, japanische Küche im Vordergrund steht.
Alles hier ist in Schwarz und Gold gehalten, eine Kombination, die uns sehr gut gefällt, und die gleichzeitig sowohl Wärme als auch Eleganz verströmt. Im Gegensatz zum Ma, ist der Raum wesentlich kleiner und kompakter, ich würde schätzen, ca. 16-20 Leute haben darin Platz. Der Geräuschpegel wurde hier selbst bei Vollbesetzung nie wirklich groß, ein irgendwie eigenartiges Gefühl, besonders zu Beginn. Man fühlt sich aber sofort wohl und dieses Gefühl wird durch das überaus freundliche Servicepersonal noch verstärkt. Unsere Fragen wurden jederzeit gerne beantworten und auch sonst war man uns jederzeit behilflich.
Wir entschieden uns für das Menü “Amakase”, konnten aber nicht ganz an der Sushi-Sashimi-Karte modern vorbei und bestellten gleich noch zusätzlich 3 Sushi-Sashimi-Variationen á-la-carte. Das sollten wir nicht bereuen! Im Gegenteil, diese Kreationen erinnerten uns mit ihren hausgemachten Saucen und Dressings stark an Matsuhisa‘s Kreationen im Nobu. Und was soll ich sagen, das Nobu gehört zu meinen absoluten Lieblingsrestaurants!
Avocado, Fenchel & Saiblingskaviar waren die Hauptbestandteile des 1. Ganges, wunderschön angerichtet auf den mittlerweile doch sehr beliebten Schieferplatten. Auf die Platte wurde zusätzlich so eine Art Frischkäse gestrichen, was dem ganzen nicht nur einen künstlerischen Touch vermittelte, sondern auch noch einen tollen Kontrast zum Saiblingskaviar darstellte.
Mit Sashimi und Sushi ging es dann weiter und es war einfach nur zu schade, dass jeder von uns Dreien immer nur ein bis maximal zwei Häppchen pro Gang genießen konnte. Hier wird kein festes, zähes Algenblatt verwendet, um die Sushi herzustellen, der Fisch zergeht förmlich auf der Zunge, genauso wie der fast schon fluffige, weiche Reis – kauen ist ja beinahe überflüssig. :) Dazu die herrlichen leichten Saucen, die entweder in die Rollen eingearbeitet oder leicht darüber geträufelt waren, ich hätte sie trinken können. :) Und bevor ich mich jetzt in weitere Schwärmereien verliere, hier ein paar Bilder:
Nach all diesen Highlights ging es mit einem pochierten Pollack, ein Fisch, der zur Dorschfamilie gehört, weiter. Dieser wurde von kleinen Apfelwürfelchen begleitet, die in einem Staudenselleriesaft eingekocht wurden.
Der nächste Gang war etwas ganz Besonderes, zeigte er doch, das Spargel nicht unbedingt schlaff, wässrig oder nach nichts schmecken muss. Grüner Spargel, leicht angebraten und mit Raz El Hanout gewürzt, sowie Radieschenscheiben und ein wunderbar frischer und knackiger (Kräuter)Salat mit einer äußerst schmackhaften Vinaigraitte Raz El Hanout ist eine nordafrikanische Gewürzmischung, die wir selbst sehr gerne für Lamm, Gemüse und Couscous verwenden. In diesem Zusammenspiel hat das Gewürz jedoch eine ganz andere Note entfaltet und ich denke, wir werden in Zukunft viel öfter damit experimentieren.
Als Hauptgang bekamen wir ein grandioses Rinderfilet serviert, das extrem mit einer dickflüssigen Sauce glasiert war, die eine deutliche Holzkohle-Note hatte. Abgemildert wurde dieser doch sehr kräftige Geschmack von einem weich gekochten Lauch und Meerrettich, der fast marmeladeartig eingekocht war.
Mit der Nachspeise wurde wieder einmal absolut mein Geschmack getroffen: kleine, 2-schichtige, fluffige Törtchen aus Brombeeren und Purple Curry, deren Fruchtgeschmack mich einfach nur glücklich machte, garniert mit einem Rosmarinschaum. Eine perfekte Kombination!
Normalerweise bin ich kein großer Freund von Restaurant-Vergleichen. Aber hier sei mir einmal einer erlaubt: Preis-Leistungs-Verhältnis gefiel mir beim Menü im Ma deutlich besser als im Uma. Ich muss sogar sagen, dass ich nach den reinen Menügängen im Uma eindeutig nicht satt gewesen wäre. Das ist mir ehrlich gesagt noch nie in einem Restaurant dieser Klasse passiert. Meist kämpfe ich mit den letzten Gängen schon stark. Ich finde es natürlich auch nicht toll, wenn ich immer die Hälfte zurückschicken muss oder mir die ganze Nacht schlecht ist, weil die Portionen riesig oder das Essen so schwer war. Aber das Gegenteil finde ich auch nicht ganz so prickelnd.
Aber zum Glück hat uns dies die Gelegenheit gegeben, mehrere Sushi- und Sashimi-Variationen zu probieren, ansonsten wäre uns die Wahl von nur ein oder zwei Köstlichkeiten wirklich schwer gefallen. :) Und so gingen wir letztendlich satt und zufrieden auf einen abschließenden Drink in die wunderschöne anliegende Sochu Bar, wo wir einen ausgesprochen netten Abend mit asiatischen Cocktails und asiatischen Knabbereien ausklingen ließen.
Auf jeden Fall werden wir die beiden Restaurants wieder besuchen, je nachdem, wonach uns der Sinn gerade steht – die Wahl wird uns schwer fallen. Und solltet ihr einmal das Glück haben, im Uma das Menü genießen zu können: unbedingt ein paar Sushi und Sashimi dazu bestellen!
[Bewertung 2009 > Gault Millau: 3 Hauben]
3 Kommentare »














am 26. August 2009 um 21:31 1.Esther schrieb …
Dieser super Beschreibung des Abends dort kann ich mich nur anschließen. War wirklich wirklich klasse! Danke euch nochmal ;)
am 2. September 2009 um 12:56 2.Melanie schrieb …
Toller Bericht und schöne Bilder!
Falls wir jedoch mal gemeinsam in Berlin sind -> bitte trotzdem ein anderes Lokal ;-))
am 2. September 2009 um 17:05 3.daniela schrieb …
Du bist aber eine harte Nuss! Scheint, als würde ich dich nie dazu kriegen, rohen Fisch zu essen. :)