Karsten Wulff (2009/09)

Geschrieben von daniela am 9. September 2009 | Abgelegt unter deutschland[essen+trinken], essen+trinken[auswärts]

Bei frischen Fischen und Meeresfrüchten kann ich eigentlich selten widerstehen. So war es keine Frage, dass ich mich über Thomas’ Vorschlag gefreut habe, bei unserem nächsten Syltbesuch eines der besten Fischlokale Sylt’s zu besuchen: Karsten Wulff.

Karsten Wulff Sign

Das Restaurant liegt in Keitum auf der Insel Sylt, ein Häuschen schmucker als das andere. Auch das Restaurant sieht von außen sehr einladend  aus. Wenn ich die wenigen Stühle und Tische im Vorgarten richtig interpretiere, so wird es in der wärmeren Jahreszeit wohl möglich sein, das Essen draußen einzunehmen, was ich mir außerordentlich schön vorstelle.

Karsten Wulff - House

Schon bei der Reservierung fiel uns auf, dass die Tische anscheinend zumindest zwei Mal pro Abend vergeben werden. Wir haben später von der netten Taxifahrerin gehört, dass es in der Hauptsaison sogar an die drei Mal sein soll. Normalerweise bin ich kein Freund von solchen Reservierungsformen, zumal das in den schicken Stadtlokalen meist bedeutet, dass nach zwei bis drei Stunden schon nervös versucht wird, den Tisch abzuservieren, um Platz für die neuen Gäste zu schaffen. Das scheint hier aber nicht der Fall zu sein. Es waren vorwiegend ältere Herrschaften, die den Tisch gegen 18 Uhr reserviert hatten und diese scheinen ein frühes, schnelles Essen zu bevorzugen. So scheint immerhin allen gedient zu sein.

Beim Eintreten blickt man gleich direkt auf die Bar und die offen gehaltene Küche. Man kann gar nicht anders als dem Treiben zuzusehen. Somit waren die 2 Minuten Wartezeit auf unseren Tisch dieses Mal fast zu kurz. :)

Wir hatten einen sehr netten Fenstertisch im hinteren Teil des geschmackvoll und gemütlich eingerichteten Restaurants, wo wir uns gleich wohl fühlten.
Der Service war äußerst aufmerksam und freundlich, und trug so zu einem gelungenen Abend bei.

Die Karte ist übersichtlich auf einer Seite zusammengefasst und lässt meines Erachtens nach keine Wünsche offen. Sogar drei Fleischgericht waren für die Fischverweigerer dabei.

Abgesehen von dem á-la-carte Angebot, gibt es die Möglichkeit, das sogenannte “Meer und Anders” Menü zu wählen. Hier bekommt man zur Vor-, Haupt- und Nachspeise nicht nur jeweils einen Gang, sondern jeweils drei Gerichte. So hat man die Möglichkeit gleich mehrere Speisen zu verkosten. Auch wenn wir uns dieses Mal nicht für das Menü entschieden haben, finde ich diese Idee sehr gut. Wir konnten so etwas unter dem Namen “Flying Menü” oder “Tasting Flights” schon einmal in Düsseldorf im Restaurant Dado des Innside Premium Hotel am Seestern genießen und haben dies als sehr spannend empfunden.

Mir gefällt es sehr gut, dass Karsten Wulff darauf bedacht ist, hauptsächlich mit regionalen Produkten zu arbeiten und auch die heutige Fischfangproblematik berücksichtigt. Er scheint sich äußerst genau und begeistert mit den Lebensmitteln zu beschäftigen, das merkt man schon alleine an den kurzen Beschreibungen, zu den einzelnen Fischarten, die sich auf der Karte finden, sowie auf dem kleinen Faltblatt, zum Fisch des Tages (oder der Woche, des Monats? Ich weiß es nicht mehr so genau :)).

Der Gruß der Küche machte gleich Lust auf mehr.
Thomas und ich entschieden uns dafür, regionalen Fische den Vorzug zu geben, die man ansonsten nicht so oft in Restaurants angeboten bekommt. Und davon fanden sich genug auf der Karte, angefangen vom Sylter Pannfisch, über Limandes. Leng oder Nordsee Steinbutt.
Die Vorspeise mit dreierlei vom Matjes, die Thomas gewählt hat, schmeckte vorzüglich und zeigt einmal mehr, wie klasse sogenannte 0-8-15 Speisen schmecken können, wenn man mit guter Qualität arbeitet. Ein Muss für mich waren die Nordseerabben zur Vorspeise, ein kleiner Berg voll von diesen kleinen Viechern, angerichtet auf einem wirklich hervorragend marinierten Blattsalat.

Als Zwischengang gab es für mich eine klare Fischsuppe mit “reichhaltiger Einlage”, wie auf der Karte zu lesen war. “Reichhaltig” ist hier im wahrsten Sinne wörtlich zu nehmen, denn die überaus gelungene Suppe war wirklich mit vielen Fischhäppchen bestückt, die definitiv nicht als Resteverwertung in der Suppe gelandet sind, wie dies des öfteren vorkommen mag. Thomas Currysüppchen mit Garnelen war ok, riss uns jetzt aber nicht vom Hocker und passte mit seinem asiatischen Touch irgendwie auch nicht wirklich zum Rest der Karte.

Limandes war dann Thomas’ Wahl zur Hauptspeise. Auf der Karte war zu lesen, dass er eine leckere Alternative zur Seezunge ist und das können wir durchaus bestätigen. Das Fleisch war leuchtend weiß, äußerst zart und vom Geschmack 1A! Irgendwie ließ uns aber das Gefühl nicht los, dass der Fisch in etwas zu viel Mehl gewendet und in zu viel Öl gebraten wurde, denn für unseren Geschmack waren die Bratspuren ein wenig zu deutlich und großflächig sichtbar.

Bei meiner Brosme – übrigens der Fisch des Tages / der Woche / des Monats – gab es nichts auszusetzen, auch nicht an der Sherry-Balsamico-Sauce, die dazu gereicht wurde. Das Pfifferlings-Risotto war mir ein wenig zu wenig, ich mag es hart wie die Italiener, aber es war durchaus sehr schmackhaft. Das “feine Gemüse”, das dazu gereicht wurde, bestand aus einem Brokkoliröschen, vier Karottenscheiben und drei Zuckerschoten und kam bei mir leider ganz und gar nicht gut an. Diese Gemüsekombination erinnert mich immer an eine typische Mittagsmenü-Wirtshaus-Gemüsebeilage, die lieblos zu jedem Essen serviert wird, egal ob es passt oder nicht. Da hätte man sich ein wenig mehr Gedanken machen können.

Zur Nachspeise können wir nichts sagen, da wir nach den drei Gängen wirklich äußerst satt waren!

Alles in allem haben wir gut gegessen und können das Restaurant jedem empfehlen. Der Fisch ist zweifelsohne so frisch, wie man ihn selten bekommt, sofern man nicht das Glück hat, direkt an der Quelle zu wohnen, und man versteht es, mit den Meeres-Produkten umzugehen. Ein wenig könnte noch an den Beilagen und der Präsentation gearbeitet werden, aber wir kommen auch so gerne wieder, denn das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt hier absolut.

Eine vielleicht interessante Zusatzinformation: Karsten Wulff bietet auch Touren zu den Fischauktionen in Dänemark an, teils mit Übernachtung und auch mit der Möglichkeit, danach eine Art Produktschule in seinem Restaurant zu besuchen und den erstandenen Fisch am Abend im Restaurant zu genießen. Nur für Frühaufsteher geeignet! :) Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite.

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2 Kommentare zu “Karsten Wulff (2009/09)”

  1. am 10. September 2009 um 10:04 1.Melanie schrieb …

    bin überrascht, dass ihr gar kein Menü gegessen habt ;-)

    sieht voll nett aus das Lokal!

  2. am 20. Januar 2011 um 09:48 2.l'art de vivre » Sylt im September schrieb …

    [...] Abend ging es dann ins Restaurant Karsten Wulff, wo wir uns ein gutes Abendessen mit nordischen Fischen schmecken [...]

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