Fabios (2009/12)
Geschrieben von daniela am 17. Januar 2010 | Abgelegt unter essen+trinken[auswärts], österreich[essen+trinken]
Schickimicki, überteuert, sehen & gesehen werden, aber sonst nichts dahinter – das waren so meine ersten Eindrücke vom Fabios, als es damals in Top-Lage am Tuchlauben in Wien eröffnete. Sehr stylisch mit viel schwarz gab es unter den Promis und den “Schönen & Reichen” Wien’s ein einziges Gerangel darum, wer in der Fensterfront zu sitzen kommt, um sich dann in der Auslage präsentieren zu können. Die Bewertungen der Gäste schwankten extrem, wesentlich mehr, als es sonst üblich ist. Nur bei einem war man sich einig: SEHR teuer.
Alles in allem haben diese Tatsachen und der ganze Hype um dieses Restaurant dazu geführt, dass ich bis vor kurzem keinen Wunsch verspürt habe, dort zu essen, auch wenn Gault Millau hier schon im ersten Jahr zwei Hauben vergeben hat.
Mittlerweile hat das Fabios meines Wissens schon knapp über neun Jahre offen. Es ist bestimmt nach wie vor ein Anziehungspunkt gewisser Kreise und auch die Preise bewegen sich weiterhin an der oberen Schmerzgrenze – zumal hier kein Menü angeboten wird, nur à la carte! Allerdings habe ich aus vertrauenswürdigen Quellen mehrmals gehört, dass das Essen wirklich ausgezeichnet sein soll und auch Thomas, den ich quasi zum Vorkosten einmal mit Freunden hingeschickt habe, war von der Qualität sehr begeistert.
Wir waren nun im Dezember zum zweiten Mal dort, dieses Mal nicht mit den Freunden, die uns in dieses Restaurant “eingeführt” haben und die die Belegschaft gut kennen. Das Essen ist vorzüglich, das wusste ich bereits, nun würde sich zeigen, ob der Service wirklich so unfreundlich und überfordert ist und nur bestimmte Gäste bevorzugt behandelt, wie man manchmal lesen kann. Dem kann ich wirklich nicht zustimmen! Ein bisschen hektisch war es bei der Begrüßung schon, allerdings wurden wir freundlich zu unserem Tisch geführt und auch sonst konnten wir ein sehr aufmerksames Service genießen und hatten sogar richtig Spaß mit der lockeren Art und dem Schmäh der Crew.
Das Tartar vom rohen Thunfisch mit Rape bianche, Sesamöl und leichter Zitronenmayonnaise – wohl so eine Art “Signature-Dish” – war ein Gedicht und der Thunfisch von höchster Qualität. Vielleicht war ein wenig zu viel Sesamöl d’ran.
Zum Zwischengang bestellte ich ein Risotto mit knusprigen Grammeln und pochiertem Octopus im eigenem Sud. Ein Traum! Ohne zu übertreiben, eines (ja, wir sagen in Österreich das und nicht der Risotto, und laut Duden dürfen wir das auch :) ) der besten Risotto, das ich jemals gegessen habe und abgesehen von den beiden Restaurants der Familie d’atri (Osteria d’atri, Il Melograno) hab ich auch noch nirgends einen so feinen und zarten Octopus serviert bekommen. Auch die hausgemachten Ravioli, gefüllt mit Mascarpone und Nüssen auf brauner Butter und Spinat sowie die hausgemachten Cannelloni, gefüllt mit Entenragout auf roten Rüben und gratiniert mit Büffelricotta der anderen waren ein voller Erfolg.
Wenn ich die Wahl habe, wähle ich meist zum Hauptgang Fisch und ich wurde nicht enttäuscht. Aber auch der Rehrücken mit hausgemachten Rosmaringnocchi und die Perlhuhnbrust waren für die restlichen drei die richtige Entscheidung.
Die Portionen waren übersichtlich aber durchaus sättigend, Platz für ein Dessert hatten wir aber allemal. Die Auswahl war jetzt nicht außergewöhnlich, dominiert von typischen Nachspeisen wie warmer Schokokuchen, Crème brûlée oder Panna cotta. Der Geschmack war gut, aber bestimmt nicht das Highlight des Essens.
Wie schon gesagt, darf man bei den Essenspreisen nicht all zu lange nachdenken, sondern am Besten einfach nur genießen. Viel schwerer fällt das da schon bei den Weinpreisen, die wirklich gesalzen und teilweise unverschämt teuer sind. Dank der Tipps von befreundeten Vinothekbesitzern, konnten wir jedoch auch das eine oder andere gute Fläschchen zu einem akzeptablen Preis-/Leistungsverhältnis austrinken.
Was die Atmosphäre betrifft, so ist es relativ dunkel im ganzen Lokal und die Tische stehen wirklich sehr eng beieinander. Das muss man mögen oder aushalten können. Wenn man allerdings so einen netten Abend mit Freunden verbringt, wie wir, dann ist man sowieso immer ins Gespräch vertieft und empfindet das nicht als all zu störend, denn eigenartigerweise hält sich die Geräuschkulisse in Grenzen.
Einzig wirklich negativ – und zwar SEHR negativ – fanden wir die Tatsache, dass neben uns an mehreren Tischen ausgiebig geraucht wurde. Jeder wie er mag, aber beim Essen ohne Rücksicht auf andere Gäste eine Zigarette nach der anderen zu rauchen, das empfinde ich als ziemlich rücksichtslos. Wir hatten bei der Reservierung nicht daran gedacht, im Nichtraucherbereich zu reservieren, da wir eigentlich bisher die Erfahrung gemacht haben, dass es in Restaurants dieser Klasse gar keinen Raucherbereich beim Essen mehr gibt, wurden aber auch nicht danach gefragt. Wenn die Fensterfront im Sommer offen ist, so wie bei unserem vorletzten Besuch, so ist dies kein Problem, aber bei geschlossenen Scheiben bitte immer daran denken!
Generell ist es meist sehr schwierig, gute Fotos von den Gerichten in Restaurants zu machen. Selten hat man dabei so gute Lichtverhältnisse, wie zum Beispiel bei unserem Mittagessen im Sommer im Gut Lärchenhof.
Das Licht ist gedimmt, man möchte sich in erster Linie auf das Essen konzentrieren und begnügt sich mit einer kleinen handlichen Kamera. Fast immer kommen dabei aber zumindest eine handvoll halbwegs ansehnlicher Fotos zustande. Dieses Mal bin ich jedoch aufgrund der doch sehr großen Dunkelheit in diesem Restaurant absolut nicht zufrieden. Deshalb gibt es dieses Mal nur wenige Fotoeindrücke in bescheidener Qualität – sorry!
[Bewertung 2009 > Gault Millau: 2 Hauben]
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