Nobu London (2010/02)
Geschrieben von daniela am 2. April 2010 | Abgelegt unter england[essen+trinken], essen+trinken[auswärts]
Mittlerweile ist mein Überraschungswochenende schon wieder über einen Monat her. Im Moment habe ich wirklich das Gefühl, dass die Zeit nur so verfliegt …
Mitte Februar jedenfalls hieß es eines Abends plötzlich für mich: Koffer packen! Der Lieblingsmann ließ mich durch diverse Andeutungen in dem Glauben, dass wir übers Wochenende eine kleine Spritztour mit dem erst das Wochenende davor abgeholtem neuen Auto machen würden. Um so erstaunter war ich, als er Freitag Nachmittag nicht mit unserem Auto sondern mit einem Taxi vor dem Bürogebäude auf mich wartete. Es ging also Richtung Flughafen und ich musste all meine mühsam überlegten Vermutungen, die sich bisher nur auf die Umgebung in annehmbarer Wochenenddistanz beschränkt hatten, über Bord werfen. Am Gate angekommen, wusste ich dann endlich auch das Ziel der Reise: London!
Und wie könnte es auch anders sein, der Lieblingsmann hatte abgesehen von Flug und Unterkunft auch die kulinarischen Abende bereits geplant. Sehr zu meiner Freude hatte er es sogar geschafft, kurzfristig einen Platz in meinem absoluten Lieblingsladen Nobu zu bekommen. Dieses Mal bekamen wir sogar einen relativ gut beleuchteten Tisch, so dass ich zum ersten Mal in der Lage war, annehmbare Bilder vom Essen zu machen.
Die Karte überfordert einen zugegebenermaßen wirklich. Man kann sich unter den Bezeichnungen oft nicht wirklich etwas vorstellen, würde am liebsten die ganze Karte bestellen, weil man sich nicht entscheiden kann und hat eigentlich überhaupt keine Ahnung, wie groß oder klein die einzelnen Portionen ausfallen und wie viele Gänge man bestellen soll. Aber: der Service ist äußerst kompetent und kennt sich sehr gut mit den Speisen aus. Über die Jahre sind die Leute auch wirklich sehr freundlich und hilfsbereit geworden, von Überheblichkeit absolut keine Spur. Also nicht scheuen und einfach um Hilfe bitten.
Wir entschieden uns dieses Mal für beide Menüs auf der Karte: das eine beinhaltet eine Selektion von sogenannten Signature-Dishes (gibt es eigentlich einen deutschen Ausdruck dafür?), das andere fährt eher eine experimentelle Schiene. Die Menügänge sind nicht auf der Karte aufgelistet, sondern setzen sich aus dem aktuellen Angebot zusammen und können auch von Tisch zu Tisch variieren. Es ist auch absolut kein Problem, wenn man eine bestimmte Speise in das Menü integriert haben möchte. Das nenne ich mal Flexibilität!
Jeder Gang wird zwar ausführlich vom Service erklärt und beschrieben, aber bei zwei mehrgängigen Menüs habe ich mir ehrlich gesagt nicht die Mühe gemacht, mir diese merken zu wollen. Genial war wieder der Black Cod (Schwarzer Kabeljau / Kohlenfisch) in Miso mariniert, eine Geschmacksexplosion sondergleichen, das Wagyu-Beef und die New Style Sashimi.
Ein klitzeklein bisschen enttäuscht war ich dieses Mal vom Nigiri und Inside-Out Sushi – wobei ich hier auf wirklich hohem Niveau ein wenig meckere. Es ist nur so, dass mir dieses Mal irgendwie das absolute Entzücken gefehlt hat, das wir sonst immer empfinden, wenn der rohe Fisch förmlich auf unserer Zunge zergeht. (Ich kann es gerade kaum glauben, dass ich über “mein” Nobu Kritik äußere … :) )
Zum Dessert gab es dann im Signature-Dish Menü den lauwarmen Schokokuchen mit flüssigem Kern und ein wirklich sehr gutes Grüner-Tee-Eis, das zwar in japanischen Restaurants sehr oft angeboten wird, aber meist bitter und unausgewogen schmeckt
Alles in allem ein toller Abend, den wir sehr genossen haben!
ps.: Kleiner Tipp an alle Rheinländer: Wer Lust auf Thunfisch hat, der auf der Zunge zerfällt, wissen möchte, warum ich so von Kabljau in Miso mariniert schwärme oder wie grenzgenial Inside-Out Rollen schmecken können – der schaut am Besten ins Nagaya. Da schmeckt es mindestens genauso gut wie im Nobu.
[Bewertung 2010 > Guide Michelin: 1 Stern]
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