Bon-Bon (2010/02)
Geschrieben von daniela am 22. April 2010 | Abgelegt unter belgien[essen+trinken], essen+trinken[auswärts]
Einer unserer letzten Brüssel Besuche endet leider nicht ganz so glücklich, da ich sämtliche Warnzeichen meines Körpers Freitag früh ignorierte und trotzdem nach der Arbeit stur den Wochenendausflug antrat. Nicht, dass ich durchs Zu-Hause-Bleiben verhindert hätte krank zu werden, aber zu Hause leidet es sich besser als in einer fremden Stadt im Hotelzimmer. (Jetzt wäre eine Runde Mitleid angebracht …)
Meinen Lieblingsmann hatte ich allerdings damals schon eine Woche nicht gesehen und hätte ich ihn nicht in Brüssel besucht, wäre mein Herz vor Sehnsucht gestorben. :) Außerdem hatten wir nach einigen vergeblichen Versuchen für diesen Abend endlich einen Platz im Restaurant Bon-Bon ergattert. (Der Lieblingsmann war trotzdem der Grund, warum ich gefahren bin. Nicht das Restaurant.)
Zum Glück war ich am Freitag noch halbwegs fit, so dass wir einen wunderbaren Abend im Restaurant Bon-Bon verbrachten.
Salon d’Artisan Cuisinier – dieser Name klingt wunderbar in meinen Ohren und weckte große Erwartungen in uns.
Sehr angenehm war der erste Eindruck. Gleich rechts vom Eingang sticht einem die offenen Küchenbar aus roten Ziegelsteinen ins Auge. Dahinter tummeln sich einige junge Köche. Hier werden die kalten Teile der Speisen zubereitet und angerichtet. Eine sehr interessante Möglichkeit zu sehen, wie und mit welchen Mitteln in der Sternenküche gearbeitet wird. Da unser Tisch in der Nähe stand, waren unsere Augen logischerweise sehr oft auf die Köche gerichtet.
Christophe Hardiquest ist ein junger Koch, der dafür bekannt ist, dass er sehr viel mit regionalen und frischen Produkten arbeitet. So gibt es zum Beispiel kein festes Menü über Tage oder Wochen hinweg. Auf einer Tafel werden die frischen, verfügbaren Produkte aufgelistet. Man hat dann die Wahl zwischen zwei 4-Gänge Menüs (“Le menu du marché” oder “Le menu coup de coeur”), einem 5-Gang Menü “Le menu impro” und zu guter Letzt einem 7-Gang Menü “Le menu passion”. Wer errät, welches Menü wir gewählt haben? :)
Jedes Menü beinhaltet zwei Desserts und man hat die Wahl, ob man sich die Gänge anhand der Tafel selbst zusammen stellt oder ob man die Wahl dem Chef überlässt. Interessant fand ich dabei auch, dass die Menüs nicht starr sind. Unsere Tischnachbarn waren uns ungefähr einen Gang voraus und wir freuten uns schon, bei Ihnen abschauen zu können, was uns als nächstes erwartet. Denkste! Der Chef variiert die Zusammenstellung von Tisch zu Tisch. Gefällt mir, find ich gut.
Das Essen wird mit einer unglaublichen Leichtigkeit zusammengestellt. Das Produkt selbst steht im Mittelpunkt, immer gekrönt mit einem geschmacklichen Aha-Effekt.
Mein absoluter Höhepunkt waren der dritte und vierte Gang. Ein Gedicht!
Auch der Käsewagen sah einfach viel zu verlockend aus um ihn ab zu lehnen.
Als die Desserts in die Runde gingen, machte auch der Chef seine Runde. Und die dauerte ziemlich lange, denn er nahm sich wirklich die Zeit ausgiebig mit den Gästen zu sprechen, wenn es sich ergab.
So leicht die einzelnen Gänge für sich waren, nach sieben Gängen waren auch wir mehr als satt. Jaja, man mag’s kaum glauben.
Trotzdem hat es sich gelohnt, die ganze Bandbreite des Kochs erleben zu dürfen. Wir haben noch nicht oft Menüs gegessen, wo uns so gut wie jeder Gang begeistert hat. Gut so, denn sämtliche Reservierungen der nächsten Tage mussten abgesagt werden und wir zerrten bei Baguette, Schinken und Käse im Hotelzimmer noch die folgenden Tage von dieser wunderbaren Erinnerung. :)
Und wenn ich das Service noch nicht erwähnt habe, dann kann man das als Kompliment nehmen.
[Bewertung 2010 > Guide Michelin: 1 Stern]
2 Kommentare »














am 22. April 2010 um 14:56 1.Evi schrieb …
Mir hätte der Tisch mit dem Käse vollauf genügt. Wobei der Rest auch nicht ohne zu sein scheint, aber bei einer guten Käseauswahl werde ich schwach. ;)
Ich hoffe, die Besserung ist mittlerweile eingetreten!
am 23. April 2010 um 11:39 2.daniela schrieb …
Geht mir ganz genauso! Da verzicht ich lieber auf das Dessert als den Käsewagen links liegen zu lassen. :)
Und vielen Dank der Nachfrage, mittlerweile geht es mir wieder sehr gut.