Tantris (2010/02)
Geschrieben von daniela am 23. April 2010 | Abgelegt unter deutschland[essen+trinken], essen+trinken[auswärts]
»Die Suche nach Vollkommenheit«
Was für ein schöner Name für ein Restaurant! Auch die Geschichte um die Entstehung des Restaurants Tantris in München ist einzigartig und interessant.
Das Tantris in München war ein Wegbereiter der Spitzengastronomie in Deutschland und Fritz Eichbauer hat bei der Wahl der Küchenchefs ein sehr gutes Händchen bewiesen: Eckart Witzigmann (1971-1978), Heinz Winkler (1978 – 1991) und nun seit 1991 Hans Haas.
Abgesehen von der guten Küche, das Tantris ist schon seit Jahren mit zwei Sterne ausgezeichnet, ist es wohl auch für seine sehr eigenwillige, avantgardistische Einrichtung berühmt. Die dunklen Holztöne, zusammen mit den orangfarbenen Teppichen, der orangen Beleuchtung und der äußerst auffälligen aber nicht sich anbiedernden Kunst bieten eine wunderbare Kulisse für die Augen und strahlen Gemütlichkeit aus.
Auch der Empfang fiel sehr herzlich aus, so dass wir uns vom ersten Moment an wohl fühlten. Wobei man zugeben muss, dass die charismatische aber äußerst überschwängliche Art von Rakhshan Zhoule bestimmt nicht Jedermanns Sache ist und einige bestimmt auch irritiert.
Positiv aufgefallen ist uns auch, dass wir sehr viel Platz am Tisch hatten und auch die Tische einen schönen Abstand zueinander hatten.
Wir entschieden uns dieses Mal für das Kleine Abendmenü. (Warum eigentlich? ;) )
Der Hummer war fantastisch, er hätte besser nicht sein können und harmonierte wunderbar mit der Orangenmarinade. Von der Präsentation her, war der Gang mein Favorit an diesem Abend.
Ausgelöster Hummer mit Radicchio und Chicorée-Orangenmarinade
Geschmacklich war der zweite Gang für mich unschlagbar gut: Rotbarbe mit Spinat, Auberginenpürée und Kräutersud. Dass ich ein Kräuterfan bin, ist ja mittlerweile kein Geheimnis mehr, und diese Kräuterbrühe war wirklich fantastisch. Dazu dieser perfekte Fisch und ein sehr würziges Auberginenpürée. Traumhaft!
Rotbarbe mit Spinat, Auberginenpürée und Kräutersud
Ich esse eigentlich ganz gerne Fleisch, allerdings stoße ich hier besonders bei rotem Fleisch mengenmäßig sehr schnell an meine Grenzen, weil mir dann meist der sogenannte “Fleischgeschmack” schnell zu viel wird. Kalb esse ich eigentlich äußerst selten, wobei ich mich nach dem Hauptgang im Tantris gefragt habe, warum eigentlich. Denn das Fleisch war so gut, dass ich den ganzen Teller gegessen habe. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, wann ich das zuletzt bei einem Fleisch-Hauptgang geschafft habe. Im Gegensatz zu mir hätten sich die anderen über ein anderes Stück Fleisch mehr gefreut, aber da bin ich mal so egoistisch und freue mich einfach, dass es mir so gut geschmeckt hat. :)
Nur das Dessert konnte meiner Meinung nach mit den vorhergehenden Gängen nicht ganz mithalten.
Dessert aus Heidelbeeren und Topfen mit Vanille-Krokanteis
Leider hat das Tantris nicht bei allen so einen überschwänglichen Eindruck hinterlassen wie bei mir. Der Rest der Truppe fand es zwar sehr gut, aber auch nicht mehr. Wobei der Lieblingsmann mittlerweile den Verdacht hegt, dass hier dasselbe Syndrom wie bei unserem Besuch im Waterside Inn zugeschlagen hat.
Meiner Meinung nach hat es hier an nichts gefehlt: das Essen war fantastisch und weit entfernt von Schnick-Schnack, der Service sehr freundlich und aufmerksam, Änderungswünsche wurden problemlos angenommen, die Weinberatung war erfrischend, das Ambiente toll.
Als ich beim Gehen fragte, ob es möglich wäre, eine Karte zu bekommen, gab mir der nette Herr sofort die Speisekarte und freute sich sichtlich, dass es mir offenbar so gut gefallen hatte, dass ich sogar die Menükarte mitnehmen wollte. Eigentlich hatte ich ja nur eine Visitenkarte haben wollen, aber die Speisekarte nahm ich zur Erinnerung trotzdem gerne mit. :)
[Bewertung 2010 > Guide Michelin: 2 Sterne; Gault Millau: 2 Hauben; The World's 50 Best Restaurants: Platz 62]
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