Marie (2010/04)
Geschrieben von daniela am 10. Mai 2010 | Abgelegt unter belgien[essen+trinken], essen+trinken[auswärts]
Das Restaurant Marie sieht wie viele Restaurants in Brüssel von außen ziemlich unscheinbar aus. Innen ist es dann aber so was von nett und gemütlich! Klassischer Bistro-Style mit dunklen Holzmöbeln und -vertäfelungen, Firlefanz oder modische Elemente sucht man hier vergebens. Man möchte gar nicht glauben, dass man in einem 1*-Restaurant sitzt.
Bei unserer Ankunft waren gerade einmal zwei Tische besetzt, aber innerhalb der nächsten fünfzehn Minuten füllte sich das Lokal bis auf den letzten Platz. Der Service und die Küche kamen mit zunehmender Anzahl an Gästen leider auch etwas ins Schwimmen, so dass wir auf die einzelnen Gänge einen kleinen Ticken zu lange warten mussten. Aber es hielt sich noch im Rahmen und war weiters nicht so schlimm.
Wir starteten gleich mit den Vorspeisen, das mittlerweile eigentlich selbstverständliche Amuse Bouche wird hier nämlich offensichtlich nicht serviert.
Thomas entschied sich für einen warmen Salat mit hausgeräucherter Entenbrust und Chips von der Foie Gras. Von Chips war weit und breit nichts zu sehen, stattdessen lag einfach nur eine Scheibe einer Foie Gras am Teller. Aber die schmeckte wohl vorzüglich.
Genauso wie mein cremiges Pilzrisotto mit Jakobsmuschel. Das Risotto hatte Biss, die Pilze und die Sauce waren geschmacklich einfach top.
Auch an meinem Kabeljau zum Hauptgang mit Shrimps und sehr köstlicher weißer Biersauce gab es fast nichts auszusetzen. Außer, dass der auf der Karte erwähnte Chicorée einfach so, nicht weiterverarbeitet am Teller lag , was ihn eher wie eine Deko denn als nennenswerte Beilage erscheinen ließ.
Das Lamm war auf den Punkt gebraten, die Knoblauch-Jus war sehr fein und die Melanzani-Cannelloni (auf dt. Auberginen :) ) ausgesprochen schmackhaft.
Beim Dessert hatte ich wieder einmal ein glückliches Händchen. Die Bananen Tarte Tatin hatte bestimmt 1 Million Kalorien, aber sie war jede einzelne davon wert.
Neben uns saß übrigens eine Familie mit einem ca. achtjährigen Jungen und die drei unterhielten sich den ganzen Abend angeregt miteinander. Das fand ich an sich schon wundervoll, man kann das leider immer seltener beobachten. Die Familie war etwas alternativer gekleidet, was ich jetzt aber absolut nicht böse oder abwertend meine. Ich will damit nur zeigen, wie gemischt hier in Brüssel das Publik in den Feinschmeckerrestaurants ist und dass sich hier auch viele ganz normalen Leuten solche Restaurantbesuche gönnen. Der Kleine aß ganze drei Gänge: Austern zur Vorspeise, Lamm zum Hauptgang und gut gereiften französischen Käse zum Schluss. Ich bin jedes Mal begeistert, wenn ich so etwas beobachte und sehe, dass man Kindern sehr wohl beibringen kann, dass es auch jenseits von Pizza, Pommes & Co – die ich natürlich auch sehr gerne mag – gutes Essen gibt.
Kleiner Tipp zum Schluss: Das Restaurant ist bitte nicht mit dem Chez Marie zu verwechseln. Einen Internetauftritt habe ich nicht gefunden und auch sonst findet man wenig im Netz. Deshalb hier die Adresse: Rue Alphonse De Witte 40 B – 1050 Ixelles
[Bewertung 2010 > Guide Michelin: 1 Stern]
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