Stomach (2010/07)
Geschrieben von daniela am 12. August 2010 | Abgelegt unter essen+trinken[auswärts], österreich[essen+trinken]
Nicht nur in Hamburg werden ehemalige Fleischereibetriebe in Restaurants umgebaut, auch in Wien gibt es so etwas. Das Stomach im 9. Wiener Bezirk ist ein urgemütliches Wiener Beisl, ein wenig leicht alternativ angehaucht, mit alten Holzstühlen und -tischen, auf denen Papierunterlagen liegen und einem sehr netten, ruhigen Innenhof, in dem es sich Wochenends (Tipp: das Restaurant hat auch Sonntag Mittag offen!) sehr gut ein paar Stündchen aushalten lässt. Der Gault Millau schreibt dazu: Die gemütlichen, urigen Räumlichkeiten der früheren Fleischhauerei sind mit moderner Kunst geschmückt, die Tische auffällig schlicht, das Ambiente so, wie man sich das Klischeebild eines „alternativen“ Lokals vorstellt – inklusive der billigen Papierservietten, was angesichts des gutbürgerlichen Preisniveaus unpassend erscheint.
Also das sehe ich nicht ganz so streng wie die Damen und Herren des Restaurantkritikers. Mir ist es lieber, wenn das Geld in Spitzenqualität beim Essen investiert wird als in Stoffservietten. Papierservietten stören mich nur in Zusammenhang mit schlechtem Essen oder wenn das Lokal ansonsten auf vornehm tut. Hier trifft aber weder das eine noch das andere zu.
Die gegrillten Anchovis mit ebenfalls gegrillten Limettenhälften und Paradeisern waren mit Sicherheit die Besten, die ich jemals gegessen habe. Die Abstimmung der Kräuter dazu, ein Traum!
Auch die lieben Freunde und der Lieblingsmann haben ihre Vorspeisen genossen, zum Beispiel Ziegenfrischkäse mit Brotsalat oder eine Rindsuppe mit selbstgemachten Leberknödeln.
Das Beef Tartar war sehr gut gewürzt, die Tentakeln der Calamaretti kross gegrillt, die Tuben selbst weich und zart. Dazu ein wenig Pesto und eingelegte Paprika und die Welt war in Ordnung.
Das Rinderfilet mit den Bratkartoffeln hat ebenfalls geschmeckt. Ein klein wenig Diskussion gab’s um die gegrillte Gänseleber, die nach unserem Empfinden eher eine Hühnerleber war. Mir war’s egal, ich esse beides gerne. Und da der Lieblingsmann die Hühnerleber eher links liegen lässt, bin ich in den Genuss gekommen. :)
Die Karte, die wöchentlich erneuert wird, bietet viele saisonale und österreichische Schmankerln, die handschriftlich auf einem bunten A4-Zettel Platz finden. Eine vegetarische Auswahl ist ebenfalls immer vorhanden. Sehr sympathisch!
Die Weinkarte, die in einer Art Schulheft geführt wird, enthält, soweit ich weiß, nur österreichische Weine, die meisten Winzer kennt der Chef persönlich. Die eine oder andere Überraschung kann somit bei einer Empfehlung leicht dabei sein. Auch die Schnapsauswahl – natürlich wieder nur von österreichischen Produzenten :) – ist allemal einen Versuch wert!
Was auf jeden Fall bei einem Besuch im Stomach für immer im Gedächtnis bleiben wird, sind die Toiletten! Die sind draußen im Hof, in einer Art Schuppen, sauber aber sehr, sehr einfach. Mehr sag ich nicht. :)
[Bewertung Juli 2010 > Gault Millau: 12,5 Punkte]
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