El Serbal (2010/05)

Geschrieben von daniela am 25. August 2010 | Abgelegt unter essen+trinken[auswärts], spanien[essen+trinken]

Vor einiger Zeit habe ich über unser Mittagessen bei Cenador de Amos berichtet und dabei auch festgehalten, dass es gar nicht so unangenehm sein muss, vier Stunden lang die einzigen Gäste zu sein. Einen Tag später hatten wir bei unserem Abendessen nahezu ein Déjà-vu.

Da das El Serbal von unserem Hotel fußläufig erreichbar war, diverse Bewertungen im Internet äußerst positiv waren, und sich das Menú Dom Pérignon sehr verlockend anhörte, beschlossen wir relativ kurzfristig, unseren letzten Abend in Santander dort zu verbringen. Ein 6-gängiges Menü um 62,00 Euro und dazu eine Flasche Dom Pérignon Vintage 2000 um 120,00 Euro – über so einen Preis in einem 1*-Restaurant kann man wirklich nicht meckern.

El Serbal - Impressionen El Serbal - Olivenöle

Kaum hatten wir Platz genommen, kam auch schon der Aperitif-Wagen (rollender Wagen Nr. I) angerollt. Auch die große Auswahl an selbstgebackenem Brot ließ nicht lange auf sich warten und wurde ebenfalls auf einem rollenden Wagen präsentiert (rollender Wagen Nr. II). Dazu wurden fünf verschiedene Olivenölsorten serviert, inklusive einer kurzen Erklärung zu Herkunft, Zusammensetzung und Geschmack zum Nachlesen. Eine sehr nette Idee, wie wir fanden.

El Serbal - Amuse-Bouche El Serbal - 1. Gang

Wir hatten nur leider kaum Gelegenheit das Brot und das Olivenöl richtig zu verkosten, denn schon kurze Zeit später stand das Amuse (Schnittlauchdeko, die I.) vor uns und kaum war dieses abserviert, auch schon der erste Gang (Schnittlauchdeko, die II.). Besonders das Carabineros-Carpaccio mit hauchdünnen Foie gras Scheiben, Pilzen und Pinienkernen war exzellent. Der dritte Gang folgte nahezu nahtlos, vier (!) Thunfischfiletscheiben mit Tintenfisch und in Soja marinierten Lauchringen (Schnittlauchdeko, die III.). Geschmacklich war das in Ordnung, aber das war es dann auch schon.

El Serbal - 2. Gang El Serbal - 4. Gang

Schön langsam machten wir uns Sorgen wegen der doch relativ großen Portionen und der Geschwindigkeit, mit der hier aufgetischt wurde. Bevor wir allerdings etwas sagen konnte, kam auch schon Wagen Nr. III angerollt. Eine Servicemitarbeiterin zeigte uns eine Schüssel mit rohem Rinderfaschierten und vermischte dieses dann vor unseren Augen mit Ei, Kapern, Zwiebeln und Sardellenfilets zu einem Steak Tatar. Auf einem kleinen Löffel wurde uns eine kleine Kostprobe gereicht, so dass wir noch die Möglichkeit hatten bei Bedarf nachwürzen zu lassen.

El Serbal - 5. Gang

Das Steak Tatar wurde dann auf Eis gelegt und wir nutzten die Gelegenheit, darum zu bitten, wenn möglich etwas langsamer zu servieren. Uns war klar, dass dies beim nächsten Gang noch nicht möglich sein würde, der dann auch tatsächlich eine Minute später kam. Dem Serviceleiter (oder was es der Restaurantleiter, Besitzer?) war dies jedoch sehr unangenehm und er entschuldigte sich mit großem Bedauern. Das war in diesem Ausmaß bestimmt nicht nötig, war aber symptomatisch für das allgemein große Bemühen hier, dem  Gast alles recht zu machen. Was natürlich generell lobenswert ist, aber auf weite Strecken hier teilweise auch ein wenig anstrengend und störend war. Denn da außer uns nur noch ein Tisch besetzt war, huschte dauernd jemand vom Servicepersonal vorbei und schenkte zum Beispiel nach, wo es nichts zum Nachschenken gab. Ein bisschen weniger Aufmerksamkeit hätte der Atmosphäre ganz gut getan.

El Serbal - 3. Gang El Serbal - 3. Gang (Tausch)

Mein geräuchertes Enten-Risotto (Schnittlauchdeko, die IV.) war wirklich ausgezeichnet und auch der Lieblingsmann war von seinem getauschten Gang (keine Schnittlauchdeko! :)) begeistert. Nicht so ganz unser Fall war der Seeteufel (Schnittlauchdeko, die V.), was aber daran lag, dass wir beide diesen Fisch nicht mögen. Noch dazu lagen drei große Stücke davon am Teller … Die Tandoori-Garnele war ganz fein, sehr toll war dann aber das Spinat-Ragout mit trockenen Früchten und Nüssen. Muss ich demnächst einmal zu Hause nachkochen.

Weil wir mittlerweile wirklich richtig voll waren, fanden wir ich es ganz gut, dass es anstatt des sonst üblichen Fleischstücks das Steak Tatar (Schnittlauchdeko, die VI.) zum Hauptgang gab. Qualitativ war das Fleisch einmalig und wirklich gut. Leider waren die Zwiebelwürfel etwas zu groß geraten und durch die lange Ziehzeit schmeckten sie schon etwas bitter. Ich kenne das so, dass ein Stück Brot zum Steak Tatar serviert wird. Hier gab es eine sehr eigenwillige Kombination mit Gemüse im Tempurateig, das sehr dekorativ in kleinen Kupfertöpfen auf den Tisch kam.

El Serbal - 5. Gang El Serbal - 5. Gang

Zum Nachtisch gab’s ein klassisches Schokoladeküchlein mit Obst und einem guten Eis aus weißer Schokolade. Dazu wurde ein Gläschen mit Henessy Cognac nicht zu knapp befüllt. Auch nicht schlecht. :)

El Serbal - Dessert El Serbal - Kaffeeauswahl

Und weil wir mittlerweile schon ein wenig Sehnsucht nach einem rollenden Wagen hatten, kam auch schon Nr. IV angefahren, auf dem eine große und gute Auswahl an Kaffeebohnen stand, die auf Bestellung frisch gemahlen wurden. Die Servicedame kannte sich auch wirklich gut aus und lag mit ihrer Empfehlung aufgrund unserer Vorlieben genau richtig. Wenn ich da nur an die Alibi-Kaffeekarte der Auberge Fontenoise denke, wie hier berichtet …

[Bewertung 2010 > Guide Michelin: 1 Stern]

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5 Kommentare zu “El Serbal (2010/05)”

  1. am 25. August 2010 um 16:38 1.Eline schrieb …

    Daniela,

    ich bin über deinen Kommentar bei chezuli auf deinen Blog gestossen. Grosses Kompliment für deine Restaurantberichte. Besser als jeder Gourmetführer! Dieses Lokal werde ich wahrscheinlich nicht aufsuchen, ich mag so überaus bemühtes Service, zu schnelle Speisenfolge und grosse Portionen gar nicht.
    Über die Schnittlauchdeko hab ich sehr gelacht. Das Beef Tartare war wohl auch etwas oxidiert, schade um das schöne Fleisch.

  2. am 26. August 2010 um 09:27 2.daniela schrieb …

    Die Schnittlauchdeko ist wohl so eine Art Erkennungsmerkmal des Kochs. :) Zum Glück war es wenigstens ein nettes, bemühtes Service, nicht so ein überhebliches und steifes.
    Vielen Dank Eline für das nette Kompliment. Ich hab mich sehr darüber gefreut. Es tut immer gut, so etwas zu lesen.

  3. am 27. September 2010 um 00:13 3.thomas schrieb …

    darf man fragen wieviel man in einem *, ** bzw. *** restaurant an trinkgeld hinterlaesst?

    und danke fuer das nobu rezept

  4. am 27. September 2010 um 10:18 4.daniela schrieb …

    Thomas, das kommt natürlich auf einige Kriterien an, zB in welchem Land dieses Sterne-Restaurant besucht wird. In manchen Ländern ist das Trinkgeld bereits inkludiert (steht dann auch auf der Rechnung), da wird kein zusätzliches Tip mehr erwartet. Und klar kommt es auch darauf an, wieviel konsumiert wird und wie der Service war. Man sagt, dass in solchen Restaurants aber im Allgemeinen 5-7 Prozent ausreichend sind und für viele liegt selbst hier die Obergrenze dann bei ungefähr 50,- Euro.
    Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen.

  5. am 27. September 2010 um 11:22 5.thomas schrieb …

    daniela,
    ja, vielen dank!

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