Asador Etxebarri (2010/05)

Geschrieben von daniela am 31. August 2010 | Abgelegt unter essen+trinken[auswärts], spanien[essen+trinken]

Sagen wirs mal so: ich war schon ein klitzeklein wenig angespannt, als ich bei der Planung unseres Spanien-Urlaubs gehört habe, wie viele Sternehäuser der Beste aller Ehemänner zu besuchen gedachte. Nicht, dass ich nicht gern schick und gut essen gehen würde, ganz im Gegenteil. Aber zwischendurch muss man seinem Magen, Geist und Geldbeutel schon auch ein wenig Erholung gönnen, sonst weiß man das alles ja nicht mehr zu schätzen. Und die  einfache aber wunderbare baskische Küche wollte ja auch noch gebührend erkundet werden. Gutgläubig wie ich nun mal manchmal bin, fiel ich dann auch auf den Vorschlag rein, den “einfachen Grillmeister” Victor Arguinzoniz einen Besuch abzustatten. Der hat zwar tatsächlich keinen Stern, wurde 2010 aber von The World’s Best Restaurants auf Platz 61 gewählt. Das hatte der Lieblingsmann wohl vergessen zu erwähnen. ;)

Etxebarri - Impressionen

Bereut haben wir den Besuch allerdings auf keinen Fall. Wenn man nicht den Weg über die neue Autobahn wählt, ist alleine schon die Fahrt dorthin ein reine Freude. Mitten im Nirgendwo, umgeben vom beeindruckenden Baskischen Gebirge liegt das  kleine Örtchen Atxondo, wo man das Restaurant Etxebarri findet. Arguinzoniz ist ein Autodiktat, der sich ganz seiner Leidenschaft, dem Grillen, verschrieben hat. Eine ganze Küchenlänge wird von einem selbst entworfenen Grill in Anspruch genommen und so gut wie alles, was nicht roh auf den Tisch kommt, ist gegrillt. Die Holzkohle wird selbst hergestellt und zwar aus den unterschiedlichsten Hölzern wie Eiche, Apfel, Orange, Oliven oder Trauben. Der Großteil, der hier verwendeten Zutaten, wird saisonal gewählt und stammt wenn möglich entweder aus dem eigenen Garten oder zumindest aus der Umgebung bzw. ist hausgemacht.

Etxebarri - Impressionen Etxebarri - Wein

Die Teller sind übersichtlich, Beilagen gibt es nicht wirklich und wenn, dann in kleiner Menge und äußerst bedacht ausgewählt. Hier steht ohne zu übertreiben wirklich das Produkt selbst und seine Zubereitungsart im absoluten Mittelpunkt. So werden zum Beispiel drei Scheiben von der hausgemachten Chorizo auf einem weißen Teller serviert. That’s it. Sieht ziemlich einfach aus, schmeckt aber um so toller. Die geräucherte Butter auf einer leicht getoasteten Brotscheibe liegt zusammen mit einem Radieschen auf einer Schiefertafel. Klingt wieder einmal unspektakulär, ist jedoch ausgesprochen köstlich.

Etxebarri - 2. Gang

Ein absolutes Highlight waren die Garnelen aus Palamós, die wir mit der Hand essen durften, was an sich ja schon einmal ein großer Pluspunkt ist. Aber abgesehen davon habe ich noch selten so weiches, zartes, süßliches und geschmackvolles Garnelenfleisch gegessen. Mit einem leichten Raucharoma und ein paar Salzflocken gewürzt – mehr brauchte es nicht.

Etxebarri - 3. Gang

Die gegrillten Austern hatten ein tolles geräuchertes Meeraroma, sind mir letztendlich aber simpel aus der Schale geschlürft noch immer am Liebsten.

Etxebarri - 4. Gang Etxebarri - Brot

Eine Klasse für sich dann der gegrillte Baby Oktopus: würzig, rauchig, saftig, zart und gleichzeitig knusprig.

Etxebarri - 5. Gang

Eigentlich wäre als nächstes der gegrillte Kaviar dran gewesen. Eine Art Signature Dish, für den sich Arguinzoniz einen eigenen Grillkorb anfertigen hat lassen. Die Vorfreude des Lieblingsmannes wurde nur leider nicht erfüllt, Kaviar war aus … Und unsere Ersatzwahl, die Seegurke, ebenfalls. Also verlassen wir uns auf die Empfehlung von Patricia: gegrilltes Gemüse. Die Begeisterung beim Lieblingsmann hält sich in Grenzen. Gemüse als Ersatz für Kaviar? Was dann kommt, lässt uns die Frage ganz eindeutig mit JA beantworten. Das Gericht ist ein Gedicht und das Gemüse schmeckt himmlischer, als man es sich vorstellen kann. Ohne Worte!
Zum gegrillten Eigelb – was man nicht alles grillen kann! – gab es dann ein violettes Kartoffelpüree, rauchige Chips und hauchdünne Scheiben vom Maipilz.

Etxebarri - 6. Gang Etxebarri - 7. Gang

Ein weiteres Highlight für mich waren die gegrillten Anchovis. Wunderbar zart sind sie auf der Zunge zergangen und haben einen sehr angenehmen Geschmack hinterlassen.

Etxebarri - 8. Gang Etxebarri - 8. Gang

Über die tolle Qualität und die perfekte Zubereitung des Thunfisch im nächsten Gang muss man nicht diskutieren. Trotzdem war das der Gang, der uns am wenigsten beeindruckt hat.

Etxebarri - 9. Gang

Das galizische Steak vom Blondvieh, das am Knochen gegrillt wurde, war dafür wieder eine Wucht! Außen sehr kross angebraten, innen noch sehr roh, allerdings kein Tropfen Saft, der ausgeronnen wäre. Wieder nur ein paar Salzflocken als Würze, der Geschmack kam hauptsächlich vom guten Fleisch selbst und vom Aroma der Holzkohle. Das Dressing für den grünen Salat war für uns ein wenig zu sauer geraten, aber das ist jetzt Raunzen auf hohem Niveau. Und auch hier zeigt sich wieder: was nicht den Geschmack des Gerichts unterstützt, hat am Teller nichts zu suchen. Deshalb lag das Fleisch auch völlig ohne Deko ganz alleine drauf.

Etxebarri - 10. Gang Etxebarri - 10. Gang

Zum Dessert gab es einmal ein Frischkäse-Eis mit einer Sauce aus roten Beeren und zum Abschluss gegrillte Erdbeeren auf Pain Perdu und Milch-Eis. Ohne zu übertreiben: das waren die besten Erdbeeren meines Lebens.

Etxebarri - Dessert Etxebarri - Dessert

Der einzige kleine Wermutstropfen bei diesem wundervollen Mittagessen war der Service, der offensichtlich ein wenig überfordert war. Die Begrüßung fiel eher gestresst als herzlich aus. Da hier, abgesehen vom Samstag, nur Mittags serviert wird, war der Raum  bis auf unseren Tisch besetzt, als wir gegen 14:30 Uhr ankamen. Nachdem wir Platz genommen hatten, warteten wir geschlagene 15 Minuten bis  jemand wieder Notiz von uns nahm und uns die Karten brachte. Mindestens genauso viel Zeit verging wieder, bis  jemand die Bestellung aufnahm, die Getränke und der Brotkorb gebracht wurden. Abgeräumt wurde teilweise erst, wenn der nächste Gang serviert wurde. Das alles würde man lockerer nehmen, wenn dafür der Service charmant und freundlich rüber kommt, was hier aber leider nicht der Fall war. Als wir bei den letzten zwei Gängen mittlerweile alleine im Restaurant saßen, ließ auch die Anspannung bei den Servicedamen deutlich nach und sie waren wie ausgewechselt. Geht doch. :)

Etxebarri - Impressionen

[Bewertung 2010 > The World's 50 Best Restaurants: Platz 61]

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6 Kommentare zu “Asador Etxebarri (2010/05)”

  1. am 31. August 2010 um 11:23 1.Eline schrieb …

    Wie schön – da muss man alleine wegen der Gegend und dem schönen Haus hin!
    an Palamos-Garnelen und -Langustinen habe ich mich diesen Sommer in der Baix Emporda mehr als satt gegessen – ich finde die auch so unvergleichlich gut.

  2. am 31. August 2010 um 13:56 2.chezuli schrieb …

    Das hört sich soooo gut an, wir standen voriges Jahr leider vor verschlossener Türe dort. Der Laden steht nach wie vor auf unserer Liste !!

  3. am 31. August 2010 um 18:13 3.daniela schrieb …

    Eline, du Glückliche! Wir haben zum ersten Mal Palamós-Garnelen gegessen und hätten uns so gern ein paar mehr davon am Teller gewünscht. :)

    Ihr müsst das nächste Mal unbedingt reservieren chezuli. Denn selbst wenn offen gewesen wäre, ich habe schon des Öfteren gehört, dass ohne Reservierung kaum Chancen auf einen Tisch bestehen.

  4. am 3. September 2010 um 10:52 4.Bolliskitchen schrieb …

    da gehen wir schon seit vielen Jahren hin, und, es ist gleichbleibend gut.Ein bischen erschreckt es mich, dass da jetzt so viele hingehen….it’s a joke!

    Vielleicht ist der Service netter, wenn man frz. spricht, bei uns waren die eigentlich immer super aufmerksam und es ging schnell, na ja, hängt davon ab, ob Ihr in der Hauptsaison oder NS da ward.Probiert’s nochmal im Herbst oder Winter!

  5. am 3. September 2010 um 13:21 5.daniela schrieb …

    Ich versteh schon, was du damit meinst Bolliskitchen. Wenn man ein Restaurant schon länger kennt und schätzt und auf einmal wird es bekannter und vermehrt auch von (Gourmet)Touristen besucht, dann findet man das erstmal nicht ganz so prickelnd. :)
    Mit Französischsprechen kommt man im Baskenland glaub ich generell leichter weiter, nicht nur bei Etxebarri. Für den nächsten Urlaub sollt ich meine Französischkentnisse vorher ein wenig auffrischen.

  6. am 14. Februar 2012 um 11:43 6.Bilbomikel schrieb …

    Französischkenntnisse im spanischen Baskenland – eine sehr gewagte These. Entweder Spanisch oder baskisch, was aber so gut wie kein Tourist kann bzw. lernen kann!

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